„Tiger, Träume, Tore“ – die moneyschwabl Interviewreihe zum 100. Geburtstag der SpVgg Unterhaching

Servus mitanand,

seit dem Jahreswechsel wird in Haching gefeiert. Weniger der aktuelle sportliche Lauf, sondern viel mehr der runde 100. Geburtstag der Spielvereinigung. Früher wurden Runden mit dem Bob gedreht, schon immer wird gegen das runde Leder getreten. Runde Bäuche freuen sich über Lokalrunden unseres Präsidenten und rund um die Uhr arbeitet dieser. Für die Rückrunde schwant mir Böses und wir müssen wohl für eine Ehrenrunde in die Regionalliga, immerhin haben wir noch die Chance die erste Pokalrunde zu erreichen. Einfach eine runde Sache.

Um diesem Jubiläum den passenden Rahmen zu geben und in der erfolgreichen Vergangenheit des Vereins zu schwelgen, treffe ich mich hier in unregelmäßigen Abständen mit prägenden Figuren meiner persönlichen Haching Vergangenheit.

„Haching war vor und zu meiner Zeit besonders und ist es jetzt immer noch.“
Interview mit Robert Lechleiter

Den Auftakt macht kein Geringerer als Robert Lechleiter, seines Zeichens Stürmer unter Trainern wie Heribert „Harry“ Deutinger, Werner Lorant oder Ralph Hasenhüttl. Im Jahr 2003 wechselte der damals 23 Jährige in die Vorstadt und stürmte 5 Jahre lang für Rot-Blau. Nach 114 Spielen war Schluss und der Oberbayer wechselte über Rostock nach Aalen. Nach seiner aktiven Karriere war er nochmal als U19 Coach und Co-Trainer in Unterhaching tätig. Heute ist er der U19 Trainer des SSV Ulm. Im Gespräch mit moneyschwabl spricht Lechleiter über seinen Weg zum Fußballprofi, seine Zeit in Unterhaching und vieles mehr.

moneyschwabl: Servus Robert! Als du jung warst, spielten Nachwuchsleistungszentren (NLZs) noch keine große Rolle. Wie unterscheidet sich deiner Meinung nach die heutige Ausbildung junger Spieler von der damaligen Zeit, und wie siehst du den qualitativen Unterschied?

Robert Lechleiter: Der Unterschied ist tatsächlich sehr groß. Heutzutage werden die Jugendlichen in den NLZs viel besser ausgebildet als früher. Allerdings möchte ich anmerken, dass es früher – mein Jahrgang ist da ein gutes Beispiel, und ich habe kürzlich ein passendes Interview von Matthias Zimmermann gelesen – durchaus möglich war, sich über Amateurvereine hochzuarbeiten, bis man es in den Profibereich schaffte.

Ich glaube, dass dieser Weg heute schwieriger geworden ist, da die NLZs die besten Talente aus der Region holen. Diese Jugendlichen trainieren dann vier- bis fünfmal pro Woche und werden besonders im technischen und taktischen Bereich viel intensiver geschult als früher.

Jedoch hatte die frühere „Bolzplatz-Mentalität“ auch ihre Vorteile. Ich selbst hatte zwar nur zweimal pro Woche Training hier in Aßling, war aber zusätzlich noch dreimal wöchentlich auf dem Fußballplatz – und das hat sicherlich nicht geschadet.

moneyschwabl: Zu diesem Thema stelle ich mir oft die Frage: In den NLZs gibt es ja immer noch den Kritikpunkt, dass die älteren Jahrgänge ihren körperlichen Vorteil ausnutzen, bis sich das dann etwa in der U19 ausgleicht. Jüngere Spieler, die vielleicht technisch stärker sind, haben dadurch einen Nachteil, weil sie es schwerer haben, in die NLZs zu kommen. Meine Frage: Hätte der junge Robert Lechleiter damals einen Platz in einem NLZ bekommen?

Robert Lechleiter: Das ist eine interessante Frage, da ich im Juli geboren bin und somit mitten im Jahr stecke. Es ist schwer zu sagen. Ich hatte in meiner Jugendzeit durchaus die Möglichkeit, zu dem einen oder anderen größeren Verein zu wechseln, wollte das aber damals nicht. Mir war es wichtig, mit meinen Freunden hier zu kicken. Dass sich mein Weg dann doch noch so entwickelt hat, war mit Sicherheit harte Arbeit, aber auch ein bisschen Glück. Ich würde sagen, ja, ich hätte wahrscheinlich irgendwie einen Platz ergattern können.

moneyschwabl: Du bist ja dann mit 21 Jahren erst nach Ismaning in die Oberliga gewechselt. War das in dieser Zeit oder kurz davor, als du die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht hast? Hattest du damals noch die Hoffnung, es in den Profifußball zu schaffen, oder war das eher eine ambitionierte Nebensache für dich?

Robert Lechleiter: Da muss ich sogar noch einen Schritt zurückgehen. Als ich mit 18 Jahren von Aßling nach Baldham gewechselt bin, war das der erste Schritt weg von meinem Heimatverein. Dort lief es dann ganz gut. Nach zwei Jahren stand die Frage im Raum: Was mache ich jetzt? Ich habe dann mit Ismaning telefoniert. Das war zu der Zeit, als Ismaning ein Jahr zuvor im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund gespielt hatte. Ismaning ist immer noch ein richtig guter Amateurverein. Ich dachte mir: „Das probierst du jetzt mal.“ Und dann ging es so weiter. Ich merkte, dass ich in der Bezirksliga, Bezirksoberliga und dann auch in der Bayernliga mithalten konnte. Und wie es als Stürmer so ist, wenn man das Tor trifft, bekommt man Anrufe. Dann kam der Anruf aus Unterhaching. Als es dann Anfang 2003 losging, musste ich nicht lange überlegen. Aber sagen wir es so: Nach dem Wechsel nach Baldham dachte ich mir: „Okay, Bezirksliga, Bezirksoberliga, dann Bayernliga.“ Der Gedanke, Profi zu werden, war noch nicht so präsent, obwohl Fußball für mich immer einen großen Stellenwert hatte.

moneyschwabl: Dann kam ja der Anruf von Unterhaching, die damals in der zweiten Liga spielten. Mich würde interessieren, welche Pläne sie mit dir hatten, da du mit Copado, Vaccaro und so weiter bereits namhafte Konkurrenz auf deiner bevorzugten Position hattest. Wurde mit dir klar besprochen, wie man es heute so schön sagt, wie dein Weg aussehen soll, auch weil du im ersten Jahr (2003/04) viel unter Fredi Ruthe in der zweiten Mannschaft gespielt hast?

Robert Lechleiter: Genau, es war von vornherein klar, dass man mich nicht sofort in die zweite Liga holen würde, da ich aus der Bayernliga kam. Stattdessen wollte man mir die Chance geben, mich zu beweisen. Der Vorteil in Haching war, wie du bereits erwähnt hast, dass wir mit Fredi eine zweite Mannschaft hatten. Dort konnte man bei den Profis trainieren, Gas geben und schauen, ob man Einsätze bekommt. Wenn man am Wochenende nicht im Kader der ersten Mannschaft war, hatte man die Möglichkeit, in der Bayernliga Spielpraxis zu sammeln. Das war super, da ich die ganze Woche bei den Profis trainieren konnte und trotzdem meine Einsätze in der zweiten Mannschaft hatte. Deswegen ist eine zweite Mannschaft heutzutage immer noch wichtig, damit junge Spieler Spielpraxis sammeln können und nicht nur bei den Profis trainieren. Und dann, wie es oft so ist, wird man eingewechselt, absolviert sein erstes Zweitligaspiel, dann ein DFB-Pokalspiel, und so entwickelt sich die Sache.

moneyschwabl: Das DFB-Pokal-Spiel war noch früh in deiner Saison in Haching. Aber es dauerte trotzdem die ganze Hinrunde, bis du ab der Rückrunde einen festen Kaderplatz hattest, als Wolfgang Frank Trainer war. Und dann hast du am 30. Spieltag dein erstes Tor in Karlsruhe geschossen. Kannst du dich daran noch erinnern?

Robert Lechleiter: Oh ja, das sind natürlich Spiele, die man nicht vergisst. Man arbeitet sich langsam heran, und dann kommt der Moment, in dem man eingewechselt wird. Dann muss man natürlich auch irgendwann treffen, sonst bringt es nichts. An das Tor in Karlsruhe erinnere ich mich gut, es war das 1:0 auswärts. Ja, das war natürlich ein cooler Moment.

moneyschwabl: Die Saison war nach dem Spiel in Karlsruhe praktisch zu Ende, dann kam Andi Brehme (zur Saison 2004/2005), und du bist kaum noch zum Einsatz gekommen. Du hast nur noch neun Spiele in der Folgesaison für die erste Mannschaft gemacht. Warum war diese Spielzeit so schwierig für dich, um deine Rolle zu finden?

Robert Lechleiter: Ich denke, die Qualität im Kader war damals schon sehr hoch, wie du bereits erwähnt hast. Und es ist nun mal so: Unter dem einen Trainer spielt man mehr, unter dem anderen weniger. Dazu kam, dass ich der Junge aus der Region war, und dann wurden neue Spieler geholt. Es ist klar, dass diese dann erst einmal im Vorteil waren. Das hat sich dann aber mit dem Trainerwechsel zu Harry und diesem ominösen Spiel gegen Greuther Fürth komplett gedreht.

moneyschwabl: Im April 2005 übernahm Harry Deutinger dann interimsweise, der dich schon länger kannte? Und dann beim Heimspiel gegen Fürth – ein Tor, drei Vorlagen. Ab diesem Zeitpunkt warst du gesetzt. Kann man sagen, dass du mit diesem Spiel deine Karriere richtig ins Rollen gebracht und im Profifußball Fuß gefasst hast? Wie hast du die Saison mit dem Klassenerhalt in Erinnerung? Du warst ja im besten Fußballeralter.

Robert Lechleiter: Ja, das war super. Man braucht Momentum und Glück. Harry kam zu mir und sagte: „Robert, du hast gut trainiert. Wir müssen gegen Fürth gewinnen, du spielst von Anfang an!“ Natürlich freut man sich, wenn man selten von Anfang an gespielt hat. Dass das Spiel dann so lief, mit einem Tor und drei Vorlagen, hat mir Standing für die nächsten Wochen gegeben. Ab diesem Moment habe ich jedes Spiel gemacht.

moneyschwabl: . In der darauffolgenden Saison kam es ja dann zum Abstieg. Aber zuvor gab es noch das legendäre 5:1 gegen 1860 im Derby. War das eines der schönsten Spiele deiner Karriere?

Robert Lechleiter: Wenn man an meine Zeit in Haching denkt, ist es interessant, dass mein vermeintlich bestes Jahr oder meine beste Saison ausgerechnet in dem Jahr war, in dem wir abgestiegen sind. So nah liegen Erfolg und Misserfolg manchmal beieinander. Aber natürlich bleiben viele Spiele in Erinnerung. Wir haben drei Derbys in Folge gewonnen, darunter ein 1:0 zu Hause gegen 1860, bei dem Kai Oswald das Tor schoss. Und natürlich das legendäre 4:1 in der Arena, das wohl kein Haching-Fan vergessen wird. Die Arena war ja fest in rotblauer Hand.

Und dann natürlich das Derby zu Hause. Die beiden Derbys in der Arena, das 4:1 und das 5:1 zu Hause, das ich glaube am 3. oder 4. Dezember stattfand, also etwa ein Jahr auseinander lagen, waren in meiner Zeit in Haching vom Erlebnis, vom Drumherum und von der Bedeutung her sicherlich die coolsten.

moneyschwabl: Am Ende dieser Saison kam dann der Feuerwehrmann Werner Lorant, der selbst viel qualmte, aber den Abstieg aus der zweiten Liga nicht mehr verhindern konnte. Wie bitter war es abzusteigen, und wie würdest du die Gründe dafür heute sehen, auch wenn du eine super Saison gespielt hast?

Robert Lechleiter: Ich glaube, dass es in der Zeit mit Haching in der zweiten Liga immer gegen den Abstieg ging. Es war jedes Jahr eine Herausforderung. In diesem besagten Jahr lief es für mich persönlich super, wir hatten eine überragende Mannschaft mit einem tollen Charakter und Zusammenhalt. Trotzdem hat es am Ende nicht gereicht. Es kamen unglückliche Umstände zusammen. Ich erinnere mich an Lattenschüsse von mir und Thomas Sobotzik in einem Spiel unter Werner Lorant, das wir hätten gewinnen müssen. Es gab bittere Niederlagen, wie das 0:1 in der Allianz Arena mit zwei fragwürdigen Abseitstoren – damals gab es noch keinen VAR. Vielleicht wäre ein Tor für uns gegeben worden. Am Ende hatten wir Pech und sind in Rostock abgestiegen, während Hansa aufgestiegen ist. Das war bitter, weil wir alles gegeben haben, aber es sollte nicht sein.

moneyschwabl: Du bist nach dem Abstieg trotzdem mit in die Regionalliga Süd gegangen. Gab es im Sommer Angebote für dich, zu wechseln?

Robert Lechleiter: Ja, es gab das ein oder andere Angebot. Ich habe lange überlegt, ob ich wechseln soll oder nicht. Letztendlich bin ich geblieben. Im Nachhinein war das Jahr mit Ralf (Hasenhüttl) etwas Besonderes. Das letzte Jahr in der Regionalliga, in dem wir uns für die dritte Liga qualifizieren konnten, war mit einer tollen Mannschaft ein tolles Jahr. Leider haben wir den direkten Wiederaufstieg nicht geschafft.

moneyschwabl: Was hältst du rückblickend von der Reform hin zur dritten Liga?

Robert Lechleiter: Da gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Das sieht man ja jetzt wieder an den Diskussionen um die Regionalliga, wo die Meister aufsteigen müssen, was ich voll unterstütze. Ich glaube, die Reform war damals gut, um gefühlt eine dritte Profiliga in Deutschland zu installieren. Allerdings hinkt die Liga finanziell hinter der zweiten Liga her. Viele Vereine haben Probleme, die Kosten zu decken, es ist wichtig, dass in dieser Liga viele junge Spieler spielen können.

moneyschwabl: Ulm und Elversberg sind tolle aktuelle Beispiele dafür, wie man mit einer stabilen Mannschaft durchmarschieren kann. Nun zurück zu Ralf Hasenhüttl, bei dem du auch während deines Trainerlehrgangs hospitiert hast. Wie unterschied sich seine Arbeit als Spieler für dich von der Arbeit anderer Trainer, die du zuvor hattest? Er war ja bereits ein sehr erfolgreicher Trainer in Unterhaching und gilt heute als Top-Trainer.

Robert Lechleiter: Als Spieler hat man es immer leicht, wenn man unter einem Trainer spielt. Interessanter finde ich es oft bei Trainern, unter denen man nicht spielt, weil man sich fragt, warum das so ist. Ralf war damals Co-Trainer unter Harry und Werner. Dann hat er in Unterhaching übernommen, was für ihn ein super Einstieg in seine Trainerkarriere war. Im Jahr darauf sind sie nur knapp am Aufstieg gescheitert. Ich erinnere mich an ein ominöses Spiel in Jena. Der Weg, den Ralf eingeschlagen hat, spricht für sich. Er ist ein Menschenfänger, der unglaublich gut mit jungen Spielern umgehen kann. Dazu kommt sein enormes Fachwissen. Das hat er bereits in Unterhaching bewiesen, ist mit Aalen aufgestiegen, und in Ingolstadt und Leipzig ging es genauso weiter bis zur Champions League. Auch seine Stationen in Southampton und jetzt Wolfsburg sprechen für ihn. Es ist toll, dass er aus Unterhaching kommt und das seine erste Trainerstation war. Er ist ein super Trainer.

moneyschwabl: Nach der Regionalligasaison bist du ans andere Ende der Republik nach Rostock in die zweite Liga gewechselt. Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden, und wie schwer war es, dein gewohntes Umfeld zu verlassen?

Robert Lechleiter: Ich habe mich für diesen Schritt entschieden, weil Frank Pagelsdorf mich schon im Jahr zuvor holen wollte, als Hansa in die erste Liga aufgestiegen ist. Es wäre natürlich toll gewesen, die erste Bundesliga mitzunehmen. Das fehlt mir noch in meiner Karriere. Es war ungewohnt und weit weg, und sportlich lief es leider etwas turbulent. Die Mannschaft war abgestiegen, viele Verträge liefen weiter, und die Stimmung im Team war nicht immer optimal. Der Trainerwechsel von Pagelsdorf zu Dieter Eilts war für mich auch nicht ideal. Ich habe meinen Platz nicht richtig gefunden, obwohl ich ein paar Tore geschossen habe. Am Ende habe ich mich dann für das Angebot aus Aalen entschieden. Ich hatte zwar vorher einen Bundesliga-Vertrag in Rostock unterschrieben, aber ich habe mich dann für den Schritt in die dritte Liga entschieden, und es ist alles gut gekommen.

moneyschwabl: Du bist nach Aalen gegangen, wo du deine neue sportliche Heimat gefunden hast. Dort hattest du deinen ersten Kreuzbandriss, und es gab zwischenzeitlich sogar Viertklassigkeit. In der Saison 2011/2012 hast du dann eine grandiose Saison gespielt und ihr seid in die zweite Liga aufgestiegen. Was hat das Umfeld und der Verein Aalen damals alles richtig gemacht, oder was hat es für dich ausgemacht, dass ihr so erfolgreich wart?

Robert Lechleiter: Als ich nach Aalen kam, wollte der Verein unbedingt aufsteigen und hat viele Spieler geholt, darunter einige, die schon höherklassig gespielt hatten. In dem Jahr, als ich kam, sind wir abgestiegen, und ich habe mir den Kreuzbandriss zugezogen. Innerhalb eines Jahres hatte ich von einem Bundesliga-Vertrag in Rostock zu einem vertragslosen Zustand gewechselt, da mein Vertrag nicht für die Regionalliga galt. Ich habe mich entschieden zu warten. Wir sind nach Aalen gezogen, meine Frau hat unser erstes Kind bekommen, und wir haben gesagt, wir warten ab, was bis zum Winter passiert. Zum Glück konnte ich in dem halben Jahr Werbung für mich machen, sodass der Verein mich unbedingt behalten wollte. Dann kam Rainer Scharinger, mit dem wir sofort wieder aufgestiegen sind. Das war ein wichtiger Schritt für den Verein. Und dann kam Ralf Hasenhüttl, der die Mannschaft stabilisiert und das große Ziel erreicht hat: den Aufstieg in die zweite Liga.

moneyschwabl: Für dich war es wahrscheinlich trotz der turbulenten Zeit die richtige Entscheidung, zu bleiben. Du hast dann zwei Jahre als Stammspieler nochmal in der zweiten Liga gespielt. Mit 34 Jahren war dann verletzungsbedingt mehr oder weniger Schluss. Wie schwer war es, den Schlussstrich zu ziehen?

Robert Lechleiter: Man möchte nicht mit einer Verletzung aufhören. Für mich war es schwierig, weil ich mir den zweiten Kreuzbandriss im anderen Knie mit Knorpelschaden zugezogen hatte. Mit 34 Jahren wird es eng, so viele Spiele kommen nicht mehr, um richtig fit zu werden. Ich habe in der Reha alles versucht, musste aber einsehen, dass das Knie bis März nicht gut war. Dann haben wir gesagt, dass es so ist. So will man nicht aufhören, aber man muss schauen, was danach kommt. Irgendwann ist es sinnvoll, Servus zu sagen, auch wenn es schwerfällt. Der Schritt weg vom Fußball, den man nicht selbst in der Hand hat, ist nicht schön. Andererseits wurde mir die Entscheidung abgenommen. Ob ich mich dann noch einmal in den Mittelpunkt stellen muss, um Servus zu sagen, habe ich mich dagegen entschieden, und von daher war es okay.

moneyschwabl: Nach deiner aktiven Karriere bist du in die Heimat nach Aßling zurückgekehrt und wurdest Coach deines Heimatvereins, inklusive Aufstieg. War es geplant, mit der Familie zurückzugehen?

Robert Lechleiter: Wenn der Kreuzbandriss in Aalen nicht passiert wäre und ich ein, zwei Jahre länger gespielt hätte, weiß man nicht, was passiert wäre. In der Situation, als meine Tochter und dann mein Sohn geboren wurden, haben wir gesagt, wir gehen zurück. Bei uns ist es einfach richtig schön, das weißt du ja. Ich bin sehr froh, dass wir diesen Schritt gemacht haben. Das Engagement in Aßling ergab sich durch Freundschaften. Sie fragten mich sofort, als ich aufgehört hatte, ob ich Trainer werden möchte. Ich lehnte zunächst ab, aber rückblickend war es eine sehr gute Entscheidung. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, wieder am Vereinsleben teilzunehmen, nicht nur den Fokus aufs Wochenende zu legen, sondern auch unter der Woche mit den Jungs Spaß zu haben.

moneyschwabl: Ich habe auch ein schönes Zitat von dir gesehen, dass du deine Trainerkarriere dort begonnen hast, wo du deine Spielerkarriere angefangen hast. Das finde ich eine runde Sache. Du bist dann aber für zwei Jahre als U19-Coach nach Unterhaching zurückgekehrt. Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden? Ich gehe davon aus, dass es nicht gut bezahlt war. Du hast ja auch deine Ausbildung zum Immobilienkaufmann gemacht. War das davor oder danach?

Robert Lechleiter: Also, ich war mit der Ausbildung zum Immobilienkaufmann eigentlich fertig, als der Anruf aus Unterhaching kam. Sie fragten, ob wir uns mal zusammensetzen könnten, um Ideen für eine mögliche Trainertätigkeit zu besprechen. Von Unterhaching kommt man eben nicht los. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass sie an mich gedacht haben, und rückblickend war es genau das Richtige, weil ich wieder das machen konnte, was mir am meisten Spaß macht.

moneyschwabl: Warum ist die Arbeit im Jugendbereich für dich auch heute noch so spannend, als aktueller U19-Coach des SSV Ulm?

Robert Lechleiter: Ich durfte in der Regionalliga, der dritten Liga und der zweiten Liga spielen, wo viele der Spieler landen können, die in den NLZs ausgebildet werden. Abgesehen von den Top-Talenten, die es direkt in die Bundesliga schaffen, kann man den Jungs in der U19 einiges mitgeben, was sie im Herrenbereich erwartet. Das hat in Unterhaching Spaß gemacht, und in Ulm ist es genauso. Deswegen ist das ein Bereich, der mir zusagt.

moneyschwabl: Du warst im Anschluss auch Co-Trainer unter Ari van Lent und hast deinen zweiten Abstieg mit Unterhaching hautnah miterlebt. Ich habe die Saison für mich schon verarbeitet, aber warum wollte sich der Erfolg damals nicht einstellen, obwohl Unterhaching in fast allen Statistiken nicht wie ein Absteiger gespielt hat? Woran lag es, war es einfach Pech?

Robert Lechleiter: Mit Pech steigt man nicht ab, das wäre zu einfach. Wir kannten die Statistiken während der Saison und haben uns oft gefragt, warum wir es nicht schaffen, obwohl wir überall zwischen Platz 10 und 12 liegen. Wir haben Spiele zu einfach verloren, obwohl wir gut gestartet sind. Gegen Duisburg haben wir zu Hause 90 Minuten lang dominiert, aber trotzdem verloren. Dann kam ein Negativlauf, aus dem wir bis zum Winter nicht mehr herausgefunden haben. Dann kam Corona dazu. Rückblickend denkt man ab und zu, wie es gewesen wäre, wenn man etwas anders gemacht hätte. Unterhaching hat den Turnaround unter Sandro Wagner aber gut geschafft und ist wieder aufgestiegen. Jetzt ist die Situation wieder schwierig, aber sie haben am Wochenende ein Spiel gewonnen, und ich drücke die Daumen, dass sie eine Serie starten.

moneyschwabl: Du warst dann aber auch unter Sandro Wagner für die Neustrukturierung in der Regionalliga Bayern mitverantwortlich. Wie schwierig ist es für ein Trainerteam, die Aufstiegsambitionen, die in Haching wieder da waren, mit der finanziellen Realität zu vereinbaren?

Robert Lechleiter: Es gab einen riesigen Umbruch. Mit Sandro kamen viele neue Spieler, einige gingen. So etwas braucht Zeit. Das erste Jahr war nicht leicht, und es war nicht selbstverständlich, einfach durch die Regionalliga zu marschieren. Aber die Kaderstruktur, die in den beiden Jahren aufgebaut wurde, war gut, und die Aufstiegsmannschaft war richtig stark. Es wurde sehr gut gearbeitet, und der Aufstieg war verdient. Es kann auch mal zwei Jahre dauern, aber es hat ja dann wieder geklappt.

moneyschwabl: Dann warst du wieder ein halbes Jahr U19-Coach und danach hattest du quasi zwei Jahre Pause auf der Seitenlinie, bis du nach Ulm gekommen bist. Hast du in dieser Zeit die UEFA Pro Lizenz gemacht? Und wie sicher kann man sich eigentlich sein, einen Job im Fußball zu bekommen und zu behalten? Wie planst du das?

Robert Lechleiter: Mit der Pro Lizenz habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt. Wenn man sich dem Trainerberuf verschreibt, ist es wie im Handwerk, den Meister zu machen. Ich habe die Elite-Jugend-Lizenz und die A-Lizenz gemacht und mich für die Pro Lizenz beworben. Die Wahrscheinlichkeit, aufgenommen zu werden, war früher nicht sehr hoch. Als ich die Zusage vom DFB bekam, habe ich mich gefreut, weil es der nächste Karriereschritt ist. Mit diesem Schein hat man Möglichkeiten im Fußball. Ich bin im Moment tätig, und es macht mir Spaß. Ich habe einen Vertrag in Ulm bis 2026. Man kann im Fußball nicht planen, was nächste oder übernächste Saison ist. Es geht schnell in die eine Richtung, aber auch schnell in die andere. Ich bin da entspannt. Ich bin zunächst einen anderen Weg gegangen, dann kam der Fußball zurück, und jetzt habe ich die höchste Qualifikation.

moneyschwabl: Ich bin froh, dass du dem Fußball erhalten geblieben bist. Und wer weiß, was die Zukunft bringt. Du bist jetzt in Ulm tätig, einem Verein, der wie Haching eine Art Joint Venture mit dem FC Bayern eingeht. Wie viel merkst du von dieser Kooperation in deiner täglichen Arbeit, und worauf kann sich Haching diesbezüglich freuen oder einstellen, oder spielt das für dich keine Rolle?

Robert Lechleiter: Die Kooperation mit Bayern ist für jeden Verein interessant, weil es die Möglichkeit gibt, vom besten Verein Deutschlands und einem der besten Vereine Europas zu profitieren. Der Austausch ist da, und vielleicht kann man in der neuen Saison den ein oder anderen Spieler hin- und herschieben. Wenn wir Top-Talente haben, die für Bayern interessant sind, profitiert der untere Bereich davon. Es gibt einen guten Austausch, aber in meinem Bereich habe ich nicht täglich Berührungspunkte.

moneyschwabl: Okay, dann komme ich zu den letzten Fragen, dem Quickfire.

Wenn du im Fußball eine Regel ändern könntest, welche wäre das und warum?

Robert Lechleiter: Die Handspielregel, weil es Woche für Woche große Diskussionen gibt und man den Überblick verliert, ob es Handspiel ist oder nicht, siehe Deutschland bei der Europameisterschaft.


moneyschwabl: Wer war der beste Mitspieler in Unterhaching für dich?

Robert Lechleiter: Schwer, schwer, weil es richtig viele gute waren, richtig, richtig viele gute. Sehr schwer. Ich sag mal, auch wenn er schon drei Kreuzbandrisse gehabt hat, würde ich immer noch Roman Tyce sagen. Mit Roman hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht, weil er immer den Blick nach Vorne hatte. Ich wusste, wenn ich losgelaufen bin, kam der Ball. Und das war natürlich für mich immer richtig gut, also da wäre ich beim Roman.

moneyschwabl: Unterhaching gilt ja immer als besonderer Club und wird von den Medien auch so umschrieben. Was macht diese Besonderheit von Haching eigentlich für dich aus?

Robert Lechleiter: Haching war vor und zu meiner Zeit besonders und ist es jetzt immer noch. Mein Sohn spielt ja auch dort. Es ist einfach dieses familiäre, dieses legere, dieses Flair, wenn du da hinkommst. Ob man dann mal im Biergarten sitzt, oder vor dem Spiel oder nach dem Spiel kannst du dich mit jedem unterhalten, jeder ist komplett offen. Das hat sich nicht geändert über die ganzen Jahre. Und ich hoffe, dass es auch in den nächsten Jahren so bleibt. Und ich sehe da keinen Grund, warum sich das ändern sollte.

moneyschwabl: Und die allerletzte Frage. Was war das schönste Tor, dass du jemals für Haching geschossen hast?

Robert Lechleiter: Boah, einmal in Augsburg, da ist mir mal einer aus über 30 Meter abgerutscht und dann würde ich mein Tor gegen die Löwen beim 5 zu 1 Sieg zu Hause nehmen. Das waren mit Sicherheit zwei von den Highlights.

moneyschwabl: Vielen Dank für das Interview!

Lange Bälle – kurze Nerven / Unterhaching – Saarbrücken 2:0

Servus mitanand, 

Die Spielvereinigung Unterhaching glich in den vergangenen Monaten einem taumelnden Boxer – angeschlagen, wankend, oft kurz vor dem Knockout und sehr oft geschlagen. Doch wer dachte, dass die Vorstädter nur noch als Sparringspartner für die Konkurrenz dienen, wurde am vergangenen Sonntag eines Besseren belehrt. Mit einem überraschenden Sieg meldeten sich die Hachinger eindrucksvoll zurück und bewiesen, dass auch ein angeschlagener Kämpfer noch gefährlich austeilen kann.

Die ersten fünf Partien unter dem neuen Coach, Heiko Herrlich, hätten unterschiedlicher nicht sein können, dennoch ist ein gewisser spielerischer „Effekt“ zu erkennen. Um den hier gegebenen Rahmen nicht zu sprengen und gleichzeitig die ersten vier Partien nicht unter den Tisch zu kehren, erhalten nun alle eine Überschrift, die diese Partien in kürzester Form beschreiben (auch wenn das natürlich nicht meinem analytische Naturell entspricht):

BVB II: Standardchaos nach der Jahreswende

Ingolstadt: Heide Moruk

Osnabrück: Wer zu spät kommt, straft den Stiefler

Essen: 30 Chancen und ein Halleluja 

Nachtrag zu Osnabrück: Ich finde es echt schade, dass, trotz des verständlichen Frusts ob der sportlichen Situation, der Support nach dem 0:3 eingestellt wurde. 3. Liga egal, wohin der Weg auch führt, denn wir sind immer da, ist wohl nicht immer allzu ernst zu nehmen.

Die Anfangsphase

Trotz warmer Erinnerungen an das Schneegestöber in Giesing, begann das letzte Heimspiel gegen ambitionierte Saarbrücker mehr als besorgniserregend. Fehlende Anspielstationen nach Ballgewinnen, kaum spielberuhigende Ballbesitzmomente und hektische Entscheidungen führten dazu, dass es zu Spielbeginn so aussah, als ob es die Schussminuten sind, in denen die Saarländer auf den Ausgleich drücken. Nach zehn Minuten war es eine Faustabwehr Eiseles, die Popp für einen Umschaltmoment nutzen konnte und gleich zwei Gegenspieler abschüttelte. Sein Dribbling bis zur Mittellinie konnte das Spiel verlagern, wo Waidner auf der rechten Seite das Spiel scheinbar verlangsamte und zu Schwabl ablegte. Unser Kapitän schlug den Ball wahnsinnig leidenschaftlich, oder leidenschaftlich wahnsinnig Richtung Elfmeterpunkt und das Spielgerät flutschte vom Keeper direkt vor die Füße des reaktionsschnellen Ihorst. Eigentlich unverdient zu diesem Zeitpunkt, doch ein absoluter Wirkungstreffer.

Organisierter Angriff

Unterhaching setzte im Ballbesitzspiel stark auf das Zentrum und die Halbräume, wobei Dribblings oft dem Passspiel vorgezogen wurden. Das Aufbauspiel erfolgte meist über lange Bälle, wobei die Mannschaft gezielt auf zweite Bälle spekulierte. Besonders effektiv zeigte sich dieser Ansatz beim zweiten Tor: Littig gewann den Ball im eigenen Strafraum und leitete direkt zu Skarlatidis weiter, der den Rückraum absicherte. Dieser spielte einen präzisen Pass auf den in den Halbraum startenden Torsiello, der sich im Eins-gegen-Eins durchsetzte und perfekt ins lange Eck abschloss. Die Chancenerarbeitung erfolgte somit hauptsächlich über schnelles Umschalten nach Ballgewinnen und gezielte Dribblings.

Umschaltphase nach Ballgewinn

Haching zeichnete sich durch ein unglaublich zielstrebiges Umschaltspiel aus. Nach Ballgewinnen wurde der direkte Weg zum Tor gesucht, oft über schnelle Dribblings in die Halbräume oder das Zentrum. Die Mannschaft war dabei besonders darauf fokussiert, den Gegner in Unordnung zu erwischen, indem sie sofort vertikale Aktionen einleitete. Lange Bälle wurden genutzt, um die gegnerische Abwehr in Bewegung zu bringen, während vorrückende Spieler in den Halbräumen gezielt in Szene gesetzt wurden.

Organisierte Abwehr

Defensiv agierte Unterhaching mit einem gewohnt stabilen Mittelfeldpressing und stark mannorientierter Verteidigung. Nach Ballverlust zog sich die Mannschaft kompakt in die eigene Hälfte zurück und verdichtete das Zentrum, um Saarbrücken in die ungefährlicheren Außenbahnen zu drängen. Das Pressing war äußerst effizient, wodurch viele Angriffsversuche der Gäste bereits frühzeitig gestört wurden und die Gäste den Ballbesitz nach der Führung nur selten in den gefährlichen Räumen hatte. Die Zweikampfbilanz zeigt, dass Haching in entscheidenden Duellen stabil agierte und Saarbrücken kaum gefährliche Abschlüsse aus dem Zentrum ermöglichte.

Umschaltphase nach Ballverlust

Nach Ballverlust setzte die Mannschaft auf eine schnelle Rückwärtsbewegung und sicherte das Zentrum konsequent ab. Dabei war das Ziel, den Gegner auf die Außenbahnen zu lenken, wo dann gezielte Zweikämpfe geführt wurden. Das Pressing wurde dabei meist mannorientiert gespielt, sodass der Gegner kaum geordnete Angriffe durch die Mitte aufbauen konnte. Dadurch konnte Saarbrücken zwar viel Ballbesitz generieren, kam aber selten in gefährliche Abschlusspositionen.

Fazit

Diese Spielweise birgt jedoch auch Risiken: Das starke Umschaltspiel und die offensive Zielstrebigkeit funktionieren nur, solange die Mannschaft körperlich frisch und mental fokussiert bleibt. Wird der Druck auf den Ballführenden nicht konstant hochgehalten oder lassen sich Ungenauigkeiten im Pressing einschleichen, können Räume für den Gegner entstehen, die schwer zu verteidigen sind. Diese wollte Saarbrücken in der Anfangsphase durch Unterschnittbälle im Halbraum hinter die Kette zu nutzen. Auch das hohe Maß an Intensität in der Defensive kann über die restliche Saison ohne entlastende Phasen kaum gehalten werden.

Umso wichtiger ist dieser Sieg für die Mannschaft nach der langen Durststrecke. Nicht nur spielerisch, sondern vor allem mental war es ein Befreiungsschlag. Die Effektivität vor dem Tor und die defensive Stabilität haben gezeigt, dass Unterhaching trotz schwieriger Phasen konkurrenzfähig bleibt. Diese Leistung gibt Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben und könnte den Startschuss für eine Trendwende markieren. Nun gilt es, die Stabilität zu wahren und die Balance zwischen risikoreichem Umschaltspiel und defensiver Kompaktheit weiter zu verbessern.

Wie können wir weiter gewinnen?

Ganz ehrlich, der letzte Abschnitt ist jetzt ideel gedacht, doch es gibt in meinen Augen einen offensiven Ansatz, mit dem wir die Liga durchaus nochmal aufmischen könnten.

Das Spiel sollte einfach generell über die rechte Seite kurz aufgebaut werden. Hier könnten unsere  erfahrenen Spieler eine Überladung der Spielfeldseite erzeugen. Stiefler, Schwabl, Geis, Skarlatidis, you name it. Diesen Spielern muss bewusst sein, wir halten den Ball bringen diesen durch selbstbewusstes Auftreten und Erfahrung, trotz Mann gegen Mann Pressing, nach vorne. Sobald ein Spieler weiter vorne frei aufdrehen kann, knallen wir den Ball voller Überzeugung (die technischen Voraussetzungen dafür traue ich jedem dieser Spieler zu) auf die ballferne Seite. Dort lauern dann mit Popp und Torsiello zwei Ballschlepper, die im Idealfall viel Rasen vor sich haben… und dann lass diese Jungs kochen. Ebenso Leuthard oder Kügel, können in solchen Momenten dem Gegner ziemlich weh tun. Also einfach gesagt: Ich bin einfach „Team Hoffnung“ und möchte, dass am Samstag nicht die Violetten und am Sonntag nicht die Blauen gewinnen.

Wir lesen uns bald wieder!

Auf geht‘s Haching!

Er steht im Tor und ich dahinter

Servus mitanand, 

meine Enttäuschung nach dem Spiel in Ingolstadt war so groß, wie lange nicht mehr. Ich war fuxdeifelswuid. Das liegt retrospektiv daran, dass in mir ein zartes Pflänzchen namens Hoffnung wieder erwacht ist und dieser Samen bereits in den ersten fünfzehn Minuten so keimte, wie der Brauweizen vor der Maische. Meine Erwartungen zur Spielanlage und dem neuen Selbstbewusstsein unter Heiko Herrlich wurden gar übertroffen. 

Am Ende stand zwar eine (ziemlich bittere) Niederlage auf der Anzeigetafel, trotzdem gehe ich davon aus, dass auch die Mannschaft schon lange nicht mehr ein so gutes Gefühl mit Ball während der 90 Minuten hatte. Plötzlich gab es Ballsicherheit, gute Umschaltmomente und vor allem viele Abschlüsse. 23 an der Zahl. Erwähnt werden müssen hier natürlich auch Popp und Torsiello, die mehr als ein belebender Faktor im Spiel nach vorne waren. 

Ein noch größerer Faktor für den Spielausgang war diesmal Konstantin Heide. Das ist nicht wegzudiskutieren. Bei beiden Toren ist die Entscheidungsfindung unseres jungen Schlussmanns das gesuchte Wort im Kreuzworträtsel der Erklärungsversuche. Doch viel zu viele Stimmen, Beiträge und Kommentare gehen für mich in Richtung Absurdum, denn natürlich ist es bitteres Lehrgeld, das gezahlt werden muss, doch die Entscheidung Heide, trotz fehlender Erfahrung, die Chance zu geben, ist nach wie vor die beste für den Verein. 

Eine Wette der Spiel(sucht)Vereinigung

In Unterhaching geht man gerne All-In, aber nicht mehr mit Millionen für alternde Stars (*hust* Akonnor), sondern mit einer ganz anderen Strategie: Jugend, Risiko und Geduld. Während die Big Player der Fußballwelt ihre Talente lieber auf der Bank parken oder in der zweiten Mannschaft verstecken, setzt die SpVgg konsequent auf junge Spieler, die nicht nur auflaufen dürfen, sondern müssen. Warum? Weil Wettkampferfahrung das wertvollste Kapital eines Nachwuchsspielers ist – und weil sich dieses Kapital irgendwann auszahlt. Sportlich, aber vor allem wirtschaftlich.  

Ein aktuelles „Parade“-Beispiel: Konstantin Heide. Gerade einmal 19 Jahre alt und schon Stammtorwart – ein Privileg, das er in der Bundesliga wohl frühestens nach zwei Leihen und unzähligen Pokalspielen gegen Regionalligisten erhalten hätte. Doch in Unterhaching bekommt er die große Bühne, auch wenn das bedeutet, dass nicht jedes Spiel ein fehlerfreies Meisterwerk wird. Denn, so die Logik: Wo sollen junge Spieler lernen, wenn nicht auf dem Platz?

Natürlich geht mit dieser Wette auf die Jugend ein gewisses Risiko einher – besonders zwischen den Pfosten, wo Fehler direkt bestraft werden. Und ja, Heide wird in dieser Saison noch weitere Patzer machen. Das gehört dazu. Doch während andere Vereine zögern und Talente erst mit 24 oder 25 als „bereit“ einstufen, sieht man in Unterhaching das große Ganze: Jeder gehaltene Ball, jede Unsicherheit, jede Glanzparade – all das macht Heide wertvoller. Für den Verein, für potenzielle Käufer, für den Nachwuchsfördertopf. Natürlich wünscht sich niemand einen Abstieg, aber wenn ich mir die bisherigen Niederlagen nochmal zu Gemüte führe, lag es seltener an unserem Schlussmann, als an der Spielweise. Hier lege ich euch gerne nochmal meinen vorherigen Artikel ans Herz.

Denn seien wir ehrlich: Es geht nicht nur um Fußballromantik, sondern auch ums Geschäft. Junge Spieler mit echter Spielpraxis sind gefragte Ware auf dem Transfermarkt. Und wenn sich ein talentierter Torhüter wie Heide durchspielt, steigen nicht nur seine Fähigkeiten, sondern auch die Summe, die irgendwann in die Kasse fließt. Eine Win-win-Situation für alle – außer vielleicht für die Stürmer, die in ein paar Jahren gegen den dann abgezockten Heide antreten müssen.

Von Katzen und Fliegenfängern

Der Keeper, Schlussmann, Hexer zwischen den Pfosten – kaum eine Position im Fußball ist so undankbar wie die des Torhüters. Während der Stürmer mit Glanz und Gloria gefeiert wird, wenn er aus fünf Metern einschiebt, wird der Strafraumdompteur zur Zielscheibe der Kritik, wenn ihm ein nasser Ball durch die (Flutsch-)Finger rutscht, man erinnere sich von der anderen Seite aus an den Toto-Pokal Sieg in Giesing. Dabei erfordert sein Job weit mehr als das bloße Verhindern von Toren: Er muss hellwach wie ein Kokser, entschlossen wie ein Schachmeister und kühl wie Mannis Schnitt im Wirtshaus sein. Und als wäre das nicht genug, darf er im modernen Fußball auch noch als verkappter Libero das Aufbauspiel mitgestalten – ein Pirlo in Handschuhen.  

Gerade für junge Torhüter ist der Weg nach oben jedoch besonders steinig. Während ein 18-jähriger Stürmer bei einem guten Spiel direkt als Wunderkind gehandelt wird, gilt ein Torhüter in diesem Alter oft als zu grün hinter den Ohren, zu wenig abgezockt, schlichtweg zu unerfahren. Die Reflexe mögen da sein, die Sprungkraft auch – doch Erfahrung, Stellungsspiel und mentale Widerstandskraft lassen sich nicht in einer Saison aufbauen. Zudem gibt es auf dem Platz nur einen Platz zwischen den Stangen, was bedeutet: Besetzt ein Veteran den Platz im Tor, bleibt dem Nachwuchs oft nur die Bank oder die Unterklassigkeit.  

Ein moderner Torhüter auf Profi-Niveau muss eine Vielzahl an physischen, technischen, taktischen und mentalen Fähigkeiten beherrschen, um sich als Stammtorwart zu etablieren.  

Physische Voraussetzungen sind essenziell, da ein Torhüter über eine ausgeprägte Sprungkraft, Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit verfügen muss. Eine überdurchschnittliche Körpergröße (meist über 1,85 m) ist von Vorteil, jedoch nur in Kombination mit Erfahrung und Explosivität im Abdruck. Zudem sind Koordination und Stabilität entscheidend, um sowohl im Luftduell als auch in Eins-gegen-Eins-Situationen In Balance zu bleiben.

Auf technischer Ebene sind sichere Fang- und Abwehrtechniken unerlässlich, um Flanken, Distanzschüsse und Abpraller kontrollieren zu können. Moderne Torhüter müssen zudem über präzise Spieleröffnungstechniken verfügen – sowohl durch gezieltes Abwerfen als auch durch präzises Passspiel mit beiden Füßen, um das Aufbauspiel aktiv zu unterstützen.  

Taktisch muss ein Stammtorwart ein herausragendes Stellungsspiel und Antizipationsvermögen besitzen. Dies betrifft sowohl das klassische Torwartspiel (die richtige Positionierung bei Schüssen) als auch das Mitspielen als sweeper Keeper, der bei hohen Abwehrlinien als Absicherung fungiert. Zudem ist eine exzellente Kommunikation mit der Defensive notwendig, um die Mannschaft zu organisieren und rechtzeitig auf Gefahren hinzuweisen.  

Auf mentaler Ebene zeichnet sich ein Profi-Torhüter durch Resilienz, Konzentrationsfähigkeit und Entscheidungsstärke aus. Er muss unter Druck schnelle und richtige Entscheidungen treffen, Fehler verarbeiten können und über eine hohe Stressresistenz verfügen. Da Fehler oft direkt zu Gegentoren führen, ist mentale Stabilität essenziell, um sich von Rückschlägen nicht verunsichern zu lassen.  

Nur wenn ein Torhüter all diese Aspekte auf einem konstant hohen Niveau vereint, hat er die Chance, sich langfristig als Stammtorwart im Profibereich durchzusetzen. Und hier liegt eben die Krux für Haching und Heide, denn physisch und technisch befindet sich Heide für mich natürlich locker auf dem Niveau der 3. Liga. Die anderen Baustellen lassen sich nur durch Erfahrungen und Coaching verbessern und führen aktuell zum Unmut, auch im eigenen Fanlager. Doch ich bin sicher, dass der sehr reflektierte Junge im Spiel gegen Osnabrück wieder eine Glanzleistung zeigt und aus den Fehlern in Ingolstadt gelernt hat.

Wir lesen uns bald wieder!

Auf geht‘s Haching!

Das moneyschwabl Halbjahreszeugnis oder der 100 Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Servus mitanand, 

unter einer Farce sind gleich zweierlei Dinge im allgemeinen Sprachgebrauch zu verstehen: Zum einen, eine aus gehacktem Fleisch oder Fisch hergestellte Füllung für Speisen. Zum anderen eine Angelegenheit, bei der das vorgegebene Ziel nicht mehr ernst zu nehmen ist. In zweiterem Sinne ist die sportliche Lage der Spielvereinigung eine Farce. Der Klassenerhalt scheint in weiter Ferne.

Für Fans von fußball-esoterischen Floskeln wären derzeit auch Sprüche wie, der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach, vorne hilft der liebe Gott, oder einfach nur Gurkentruppe, das Globuli zur Schmerzminderung. Doch als der einzige Unterhaching-Fan mit der richtigen objektiven Meinung und den nötigen Kompetenzen ist es mir nicht nur eine Ehre, sondern gar die Pflicht, das sportliche Abschneiden unserer Mannschaft in der Hinrunde der Spielzeit 2024/2025 einzuordnen. Denn wie beim Absturz zahlreicher Traditionsclubs und dem parallelen Erstarken kleiner Vereine in der hiesigen Fußballlandschaft zu beobachten ist, geht die Entwicklung im Fußball im Gegensatz zum Reifeprozess von guten Rotweinen diametral auseinander: Je älter, desto schlechter.

Als, meines Zeichens, Oberlehrer mache ich mir natürlich schon bereits seit der Einschulung in die neue Spielzeit Gedanken um meinem Schützling aus Unterhaching. Doch geht es hier um einen Schüler, der aktuell in der letzten Reihe sitzt, in Gesprächen immer wieder betont, alle Bemühungen anzustrengen und am Ende beinahe jede seiner Klausuren am Wochenende in den Sand setzt. In den Elterngesprächen auf Magenta betont Papa Manni gebetsmühlenartig, dass er alles im Griff habe, doch eine Versetzung ins nächste Schuljahr ist stark gefährdet. Der blaue Brief ist längst in der Geschäftsstelle angekommen.

Doch um alles einordnen zu können, beginnen wir am Anfang des Schuljahres, das, bei den Strebern unter uns, bereits in den Sommerferien beginnt. Sprich, mit der Kaderzusammenstellung und den Vorbereitung zur neuen Saison. 

Die letzte Saison wurde zwar nicht summa cum laude abgeschlossen, dennoch präsentierte sich der Schüler, unter Berücksichtigung dessen sozio-ökonomischen Hintergrunds, in den meisten Fächern sehr konstant. Als Leistungskurs wurde das Verteidigen erwählt und besonders hier zeichnete sich die Mannschaft durch hohe Konzentration in einem tiefen Block aus. Doch wie es für Teenager Sommerferien üblich ist, gehen Beziehungen zu Bruch und neue Menschen werden Teil der Clique. Und die Beziehungen, die zu Ende gingen, sind zahlreich und qualitativ kaum aufzufangen: Vollath, Schifferl, Hobsch, Fetsch, Keller, Krattenmacher, Westermeier, Bauer und die Welzis. 

Der große Vorteil für Unterberger, in seinem ersten Jahr als Chefcoach einer ersten Mannschaft, war für mich nicht sein Talent die Mannschaft taktisch auf das nächste Level gehoben zu haben oder durch raffiniertes „in-Game-Coaching“ die Spiele zu ziehen. Viel mehr die gesunde Kaderatmosphäre, der kaderinterne Zusammenhalt und eine Vielzahl an starken Stimmen in der Kabine, ermöglichte es Haching den Gegnern weiterhin den „Wagner-Ball“ aufzuzwingen, also eine absolut eklig verdichtende und schwer zu bespielende Defensivstaffelung gepaart mit zwei Kanten im Sturm, die für entlastende Momente sorgen konnten und bei hohen Bällen nicht aus dem Spiel zu nehmen waren. Ich denke dabei nicht, dass es damals schon die bevorzugte Spielweise von Sandro Wagner in einem idealen Umfeld gewesen wäre, sondern pures Mittel zum Zweck. Er nutzte die taktische Herangehensweise, um die vorhanden Kaderqualitäten zur Geltung zu bringen. 

Für Unterberger war seine zweite Saison der Prüfstein, um seine Anpassungsfähigkeit (an die neuen Stärken und Schwächen des Kaders), seine Führungsqualitäten (beim Formen der neuen Kaderstruktur und Integration der Neuzugänge) und die Entwicklung seiner eigenen taktische Handschrift zu beweisen. Auch wenn man anerkennen muss, dass die Saison wirklich vielversprechend begann. Zwei Heimsiege und zwei Auswärtsniederlagen, wobei diese beiden auch aufgrund unnötiger Gelb-Roter Karten an die Gegner aus Dortmund und Osnabrück gingen. Doch nach dem Heimspiel gegen Essen (MoneySchwabl analysierte) begann die Ergebniskrise. 16 Spiele ohne Sieg in Folge, davon 13 unter der Leitung von Unterberger. Die Gründe sind genauso manni(g)faltig, wie unser Präsi in wahrscheinlich 15 Jahren. Allen voran sehe ich das Gleiche, wie einst Thomas Tuchel bei Shawn Parker, am ausschlaggebendsten: „Nach welchen Ideen spielst du hier Fußball?“

Denn ein kurzer Blick in die Statistiken der Drittligisten lässt, wie an Stieflers Abrissbirne, kein gutes Haar an unserer Spielweise. Es gibt ja wirklich beinahe unendlich viele Ideen, Fußballspiele erfolgreich zu gestalten. Unser Stil der letzten beide Jahre, der an Simeones Atheltico Madrid erinnert und es verstand Druck durch eine tiefere Pressinglinie zu absorbieren, den Gegner in Zweikämpfe zu zwingen und in offensiven Umschaltsituationen, durch den Gewinn zweiter Bälle, das entstandene Chaos für freie Räume zu nutzen. Dieser Spielstil lässt sich in Statistiken dann vor allem an guten Zahlen in den Zweikampfwerten, niedrigen expected goals against und einer effektiven Chancenverwertung auslesen. Die RB-Schule erkennt man an vielen Ballgewinnen im gegnerischen Drittel, wenig gegnerischen Ballkontakten bis zur Rückgewinnung des Spielgeräts und vielen erfolgreichen progressiven Pässen. Tiki-Taka wiederum an hohen Prozentzahlen beim Ballbesitz und vielen Ballkontakten im gegnerischen Sechzehner. Diese Liste kann beliebig erweitert werden und alle mannschafts-, gruppen- und individualtaktischen Konzepte und Prinzipien erfordern, die, für die jeweilig vorhergesehen Rollen und Aufgaben, passenden Spieler.

Und Haching? Nun ja, zwar ist der Spielansatz wirklich auch nur Ansätzen zu erkennen, aber die Kennzahlen zeigen auf, dass die Ideen der Hinrunde nicht aufgehen: 

  1. Ballbesitz: mit Nichten ist diese Statistik von hoher Relevanz, denn der beschriebenen Spielansatz lebt nicht davon, das Spiel zu kontrollieren. Dennoch sind Platz 19 im Ligavergleich mit 42,2% eine unhonorable Mention wert.
  2. Aber Platz 18 bei den erfolgreichen langen Bällen mit 39,9% ist besorgniserregend. Ebenso wie eine erfolgreiche Passquote von 70,9% und Platz 19.
  3. Auch der geteilte Platz 19 in der Liga für 29 erspielte Großchancen zeigt, dass wir offensiv zu ungefährlich sind. Ebenso sind wir mit 4,0 Torabschlüssen pro Spiel nur auf Platz 16 im Ligavergleich. Mit einer Schussverwandlungsquote von 10,5% sind wir immerhin im Mittelfeld und zeigt auch, dass wir durchaus effektiv sein könnten.
  4. Mit 8,2 abgefangenen Pässen pro Spiel liegen wir auf Platz 13, was bei unserem konservativen Ansatz mit einem low-block auch bedeutet, dass wir es zu selten schaffen nah am Gegner zu sein und Pässe/Spielzüge zu antizipieren 
  5. Beim Gegenpressing mit 2,3 Balleroberungen im letzten Spielfelddrittel sind wir Tabellenschlusslicht (nachvollziehbar)
  6. 405 Ballberührungen im gegnerischen 16er über die Saison bedeuten Platz 17.
  7. Mit 1,26 expected goals pro Spiel sind wir die zweit ungefährlichste Mannschaft.
  8. Und mit einem xga Wert von 1,76 sind wir die Truppe, die die meisten Chancen zu lässt.
  9. Mit 11,2 Balleroberungen pro Spiel sind wir immerhin auf Platz 7 der Liga

Natürlich könnte man hier noch viel mehr ins Detail gehen, aber egal wie man es betrachten und interpretieren möchte, denn jedes Spiel ist im Nachhinein individuell zu betrachten und es gab mit Sicherheit auch ein paar Spiele in denen wir den Sieg verdient gehabt hätten und durch ein Gammeltor die drei Punkte abgeben mussten, ist es trotzdem offensichtlich, dass es fußballerisch hinten und vorne fehlt, im wahrsten Sinne der Worte. 

Woran hat et jelegen, fragt man sich da?

  1. Vorhersehbarkeit: die Gegner brauchen in der Regel keine große Vorbereitung, denn sowohl personell, als auch taktisch, erwartet andere Mannschaften keine Überraschung gegen Haching. Die meisten versuchen durch eine höhere Pressinglinie, den Weg für Umschaltmomente möglichst weit zu gestalten und schaffen es durch den entstandenen Druck, immer schnelle Ballverluste zu provozieren. Auf eine Antwort darauf wartet man bisher vergebens, wie René Vollath damals auf einen neuen Vertrag.
  2. fehlender Ziel/Wandspieler: Mit Fetsch hatte man, den wohl effektivsten Wandspieler im Team, der es immer wieder schaffte Bälle festzumachen oder durch seine Präsenz zweite Bälle zu erzwingen. Ihorst ist nicht dieser Spielertyp und Gibson Nana Adu war in dieser Rolle gegen gestandene Profis teilweise verloren.
  3. Isolierungen auf außen: Gegner mit guten Eins gegen Eins Spieler isolieren diese gerne auf ihrer linken Außenseite (z.B. Viktoria Köln oder der BvB II), um ihre Tempovorteile gegen Markus Schwabl auszuspielen. Entweder muss ihn dann jemand unterstützen und es ergibt sich eine Lücke, oder der Routinier muss 90 Minuten gegen einen Jungspund verteidigen – nicht einfach.
  4. Ballsicherheit: Durch fehlende Anspielstationen scheint Geis oft verzweifelt im Ballbesitz. Er schaut und schaut und wird dann meist zu einem riskanten langen Ball gezwungen. Auch in anderen Spielfeldteilen scheinen die Abstände sehr weit und es bedarf einer starken Einzelaktion, um den Ball in den eigenen Reihen zu halten. 
  5. keine Tiefenläufe: es fehlt einfach die Tiefe im Spiel. Zahlreiche Situationen im Halbfeld ergaben eigentlich eine vielversprechende Ausgangslage für einen Schnitstellenpass, aber dort wo der Ball landet, ist kein Rot-Blauer in Sicht.
  6. fehlender Ball-Carrier: für mich fehlt im Zentrum auch ein Spieler, obwohl ich Waidner durchaus in dieser Rolle sehen könnte, der den Ball auch mal ein paar Meter treibt, in einen freien Raum läuft oder das Spiel verschleppt. Westermeier und Krattenmacher waren für mich der Prototyp eines Ball-Carriers, welche immer wieder Lücken reißen konnten. Aktuell wird der Ball oft schnell weitergegeben, wobei die Entscheidungen nicht immer ideal sind. 
  7. Verletzungen: Auch zahlreiche Blessuren erschwerten es in der Hinrunde einen festen Stamm zu etablieren, wobei besonders die Ausfälle von Knipping und Ihorst, die zur jeweiligen Zeit gerade schienen, in Tritt zu kommen und wichtige Ankerspieler der Vorstadt zu werden.

Auch hier könnte man, im Gegensatz zu unserer Offensive, noch in die Tiefe gehen, aber insgesamt bleibt die Entscheidung, obwohl es sich wahrscheinlich alle anders gewünscht hätten, Unterberger freizustellen, die richtige. Im Gegensatz zur Horrorsaison mit Arie van Lent, gaben auch die Zahlen keinen Grund zur Hoffnung und da der Kader während der Saison nun mal kaum zu ändern ist, bleibt ein Trainerwechsel oft das sinnvollste Werkzeug, um den Bock vielleicht noch umzustoßen. Eine Einzelkritik zu den Spielern spare ich mir an dieser Stelle und möchte mich viel mehr ressourcenorientiert an das Positive klammern.

Im Kader gibt es nämlich einige Stärken, die in der dritten Liga noch Potential entfalten können:

Durch Geis, Skarlatidis und Maier haben wir drei überaus gute Standardschützen. Diese können in Kombination mit Stiefler und diversen erarbeiteten Varianten das Quäntchen sein, um ein Spiel zu unseren Gunsten zu entscheiden. 

Dazu hat man mit Markus Schwabl einen echten Leader, dem ich es mit seinen erfahrenen Kollegen zutraue, die Moral in der Kabine trotz herber Rückschläge hochzuhalten. Insgesamt hat man sowieso nicht den Eindruck, dass es aktuell eine Frage der Einstellung sei. Weiterhin muss man es schaffen Geis und Skarlatidis besser ins Spiel einzubinden, denn diese sind durch ihre technischen Fähigkeiten absolute Unterschiedsspieler. Auch Gibson Nana Adu sollte in meinen Augen eine Position bekleiden, die es ihm ermöglicht in Eins gegen Eins Situationen anzudribbeln. Insgesamt ist der Trainerwechsel die Chance einen kontrollierteren Ansatz zu erarbeiten und oft reicht schon ein kleines Erfolgserlebnis, das den Knoten platzen lässt.

Ich würde mir sehr wünschen, dass wir defensiv in einem tiefen 5-4-1 verteidigen, um Steckpässe besser verteidigt zu bekommen und sich besser unterstützen zu können. Diese Formation ist auf jeden Fall eine noch härter zu knackende Nuss. 

Mit Ball wäre ein 3-2er Aufbau zumindest schwerer zu pressen und ermöglicht einfach mehr Kontrolle und Anspielstationen im Spielaufbau. Davor bräuchte es dann eine gute Besetzung der Halbräume, Flügelüberlagerungen, Tiefenläufe  und/oder abkippenden Stürmern, sprich, klare Abläufe, um Spieler wie beispielsweise Skarlatidis, Kügel und Adu in Positionen zu bringen, die ihnen schmeicheln. 

Mit Heiko Herrlich hat man sich zwar ein bekanntes Gesicht, aber auch eine Wundertüte an die Seitenlinie gestellt. Ich hoffe er schafft es, die Mannschaft schnell zu verbessern und wünsche mir Mut bei Entscheidungen und Herangehensweisen. Zu verlieren hat man jetzt auf jeden Fall nichts mehr. In seinem zweiten Spiel steht ihm mit Ingolstadt ein Gegner gegenüber, der zwar sehr torgefährlich ist, jedoch bereits gezeigt hat, auch hinten anfällig zu sein. Ich nehme auf alle Fälle jeden Strohhalm zum Festhalten mit, ihr am Besten auch.

Wir lesen uns bald wieder!

Auf geht‘s Haching!

MoneySchwabl Adventskalender

Servus mitanand,

das Jahr neigt sich dem Ende zu und schon ist die Adventszeit da, jene magische Periode, in der Menschen panischer Einkäufe tätigen als Bundesliga Manager am Deadline-Day und Jörg aus der Buchhaltung nach dem sechsten Glühwein seine deutsche Hüfte schwingt. Adventskalender öffnen dabei eine eigene Dimension des Zaubers: Türchen um Türchen kämpft man sich durch, in der Hoffnung, dass sich hinter einem Türchen des Bayernlos-Adventskalenders die sehnsüchtig erwartete Frührente verbirgt. Doch ob Schoki, Beauty-Produkte oder Mini-Spirituosen – der Kalender ist längst zum ultimativen Spiegel unserer Konsumgesellschaft geworden. Besinnlichkeit in 24 Häppchen, bei denen sich die wahre Frage stellt: Was machen wir eigentlich an den restlichen 341 Tagen?

Die Adventszeit ist also einerseits die Zeit der Besinnung um das Vergangene Revue passieren zu lassen und andererseits die des Ankommens (lat. advenire). Im Kontext dieses Blogs schwelgen wir also in der Geschichte der Spielvereinigung und stellen uns die Frage: Wer ist denn eigentlich nie so richtig angekommen in der Vorstadt?

11. Türchen: Sebastian Mützel

Düdüdüdüp Sebastian Mützel Düdüpdüdüp. Ein Spieler der in keine bisherige Kategorie passt, weil er seine eigene ist. Der bayrische Ibrahimovic hat für immer einen Platz in meinem Herzen und viel zu oft denke ich in meinem Leben an diesen Mann. Begonnen hat meine Liebe zu Mützel, als ich noch regelmäßig die zweite Mannschaft, de Amas, besucht habe. Hier viel er im Team von keinem Geringeren als Alrfred „Fredy“ Ruthe vor allem mit seiner hitzigen Spielweise auf und später auch durch Tore, viele Tore. In der Bayernliga waren es in seiner zweiten Saison 12 Dinger in 19 Spielen. Sogar Ralph Hasenhüttl, der heute im Niemandsland der Bundesliga überteuerte Spieler zu mittelmäßigen Topverdienern formt, kam an Mützel nicht vorbei und er kam unter dem Österreicher zu seinen ersten drei Kurzeinsätzen in der dritten Liga. Es wird gemunkelt, dass Hasenhüttl nur aufgrund der geringen Spielzeit des kahlköpfigen Protegés geschasst wurde. Unter dem Interimscoach Mathias Lust ging es dann bergauf, ehe Mützel unter dem Übungsleiter Klaus fucking Augenthaler sein erstes Profitor bejubeln durfte. Und was habe ich gejubelt. Hierfür muss ich nicht einmal recherchieren, denn ist es eine meiner Kernerinnerungen:

Der Röhrenbildschirm flimmert und Windows XP bringt das Gehäuse fast an seine Grenzen. Gemeinsam mit meinem Bruder und seinem besten Freund verfolgen wir das Spiel am Unterhaching Live-Ticker, denn diese weite Auswärtsfahrt war an einem Mittwoch angesetzt. Was für Zeiten das doch waren. An das Spiel selbst habe ich wenig Erinnerung, doch kann ich mich an unsere Vorfreude und den wiederkehrenden Glauben erinnern als Mützel für Schweinsteiger eingewechselt wurde. Es dauerte bis kurz vor Schluss und unzählige Klicks auf das „Neuladen“ Symbol bis es dort stand – schwarz auf rot. TOOOOOR für Haching. Und es war, ja genau, Düdüpdüdüp Sebastian Mützel mit einem Kopfball nach Zillners Freistoß. Unglaublich. Wir dachten, oder viel mehr hofften, das war sein Durchbruch. Doch es kam alles anders und Mützel sollte nie mehr für die Vorstadt treffen. Es zog ihn nach Nürnberg und später nach NRW, wo er zwischen Regionalliga und Westfalenliga 2 seine Buden machte. Und meistens mehr als eine. Doch diese eine bleibt für immer ein Teil von mir.  Der Mann, der Mythos, der Mützel.

Wir lesen uns beim nächsten Türchen.

Auf geht‘s Haching!

MoneySchwabl Adventskalender

Servus mitanand,

das Jahr neigt sich dem Ende zu und schon ist die Adventszeit da, jene magische Periode, in der Menschen panischer Einkäufe tätigen als Bundesliga Manager am Deadline-Day und Jörg aus der Buchhaltung nach dem sechsten Glühwein seine deutsche Hüfte schwingt. Adventskalender öffnen dabei eine eigene Dimension des Zaubers: Türchen um Türchen kämpft man sich durch, in der Hoffnung, dass sich hinter einem Türchen des Bayernlos-Adventskalenders die sehnsüchtig erwartete Frührente verbirgt. Doch ob Schoki, Beauty-Produkte oder Mini-Spirituosen – der Kalender ist längst zum ultimativen Spiegel unserer Konsumgesellschaft geworden. Besinnlichkeit in 24 Häppchen, bei denen sich die wahre Frage stellt: Was machen wir eigentlich an den restlichen 341 Tagen?

Die Adventszeit ist also einerseits die Zeit der Besinnung um das Vergangene Revue passieren zu lassen und andererseits die des Ankommens (lat. advenire). Im Kontext dieses Blogs schwelgen wir also in der Geschichte der Spielvereinigung und stellen uns die Frage: Wer ist denn eigentlich nie so richtig angekommen in der Vorstadt?

10. Türchen: Florian Dietz

Das Dietz-Aster von Unterhaching. Dieses Türchen zeigt einen Spieler, der aufgrund fehlender Chancen nicht den Durchbruch schaffen konnte. 

Florian Dietz’ Zeit bei der Haching – eine Fußnote in der Geschichte des Vereins, ein ungelöstes Rätsel. Als der junge Stürmer 2019 von Werder Bremen II zu den Hachingern kam, waren die Erwartungen groß. Ein talentierter Angreifer mit Perspektive, doch unter Trainer Claus Schromm sollte es nicht sein Durchbruchjahr werden. Dietz kam in der Saison 2019/20 zwar auf 20 Einsätze, doch 526 Minuten auf dem Platz sprechen eine deutliche Sprache: Wenig Spielzeit, keine Tore, keine Assists. Es war eine Phase, in der er viel auf der Bank saß und bei Schromm offenbar nicht die Chance bekam, seine Fähigkeiten zu zeigen.

Trotz seiner zweifellos vorhandenen Qualitäten blieb Dietz in der Hachinger Offensive eher ein Randphänomen. Schromm, der eher auf erfahrene Kräfte setzte und wenig experimentierfreudig war, ließ Dietz nie wirklich zur Entfaltung kommen. Die fehlenden Tore und die überschaubare Spielzeit spiegelten wider, was vielen jungen Spielern in der 3. Liga widerfährt: Die Chance auf den Durchbruch ist selten, die Geduld wird oft auf die Probe gestellt.

Und so zog Dietz weiter, mit einem Gefühl des ungenutzten Potenzials im Gepäck. Nach seinem Abgang aus Unterhaching landete er in der Regio West beim 1.FC Köln II, wo er endlich aufblühte. Dietz traf regelmäßig, glänzte in der Regionalliga – und als er von Steffen Baumgart in die Bundesliga hochgezogen wurde, war der Durchbruch plötzlich nur noch eine Frage der Zeit. Baumgart erkannte das Talent, das Schromm in Unterhaching nicht wirklich zu nutzen wusste. Dietz wurde zu einem wichtigen Bestandteil der ersten Mannschaft und stand plötzlich auf der großen Bühne der Bundesliga. Doch dann kamen die Verletzungen. Kreuzbandrisse, die ihn zurückwarfen und seine Karriere bremsten.

Was hätte Dietz in Unterhaching werden können, wenn er die Chance erhalten hätte? Vielleicht ein weiterer Goldesel, vielleicht aber auch der verlorene Diamant, den Trainer und Verein zu lange unbeachtet ließen. In Köln fand Dietz schließlich sein großes Potenzial – allerdings zu einem Zeitpunkt, als die Verletzungen ihn immer wieder ausbremsten.

Wir lesen uns beim nächsten Türchen.

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Die Adventszeit ist also einerseits die Zeit der Besinnung um das Vergangene Revue passieren zu lassen und andererseits die des Ankommens (lat. advenire). Im Kontext dieses Blogs schwelgen wir also in der Geschichte der Spielvereinigung und stellen uns die Frage: Wer ist denn eigentlich nie so richtig angekommen in der Vorstadt?

9. Türchen: Jannik Bandowski

Türchen 8 – und ein System ist bereits zu erkennen, weshalb es Spieler nicht schaffen sich durchzusetzen. Fehlendes Selbstvertrauen, zu wenig Scorer oder zu viele Verletzungen. Ja Verletzungen sind der Karrierekiller schlechthin und bei Jannik Bandowski gab es davon mehr als üblich.

Dabei begann, wie so oft, die Karriere des Linksverteidigers so vielversprechend: aus der Jugend des BVB gelang der Sprung in die Zweite des Ruhrpottklubs, wo er in der 3. Liga bereits in jungen Jahren sein Talent andeuten konnte. Zumindest genug, dass die Blauen den Blondschopf für die Rückrunde und die darauffolgende Saison in der 2. Bundesliga ausliehen. Die erste Halbserie begann auch vielversprechend 14 Spiele und dazu noch die beiden Relegationsspiele, in denen der Klassenerhalt klappte. Am Ende seiner zweiten Saison in babyblau stand er lediglich einmal auf dem Platz. Dies hielt den Verband für Leibesübungen aus Bochum nicht davon ab, Bandowski zu verpflichten, doch er wurde abermals davon abgehalten im Wettkampf gegen den Ball zu treten. Nur neun Spiele in zwei Jahren führten dazu, dass seine Karriere steil bergab ging und er in Unterhaching ankam. Die Odyssee des Leids ging auch im Sportpark für Bandowski weiter. Immerhin machte er in der Vorstadt doppelt so viele Spiele als in Bochum, nämlich 18 in weiteren zwei Jahren. Danach nur noch Regionalliga: erst Steinbach Haiger dann Greifswald. Seit Beginn der neuen Spielzeit ist der 30 Jährige vereinslos und es ist schwer zu sagen, ob er aufgrund seiner Verletzungshistorie nochmal angreifen kann. Diese liest sich wie ein Almanach des Volkssports: 

Kreuzbandriss, Knieprobleme, Prellung am Knie, Grippe, Knie-OP, Rippenbruch, Muskelverletzung, Kreuzbandriss (mal 2), allergische Reaktion, Fußverletzung, Syndesmosebandriss, Ermüdungsbruch, Pfeiffersches Drüsenfieber und Muskelfaserriss. 

In Zahlen sind das 1.643 Tage ohne Fußball beziehungsweise viereinhalb Jahre. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Schade. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Gesundheit fürs neue Jahr. 

Wir lesen uns beim nächsten Türchen.

Auf geht‘s Haching!

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8. Türchen: Caleb Clarke

Der Fall Caleb Clarke ist meinem Bruder Leo gewidmet.

Nach einem halben Jahr war Schluss: Servus Caleb!

Es war ein nebliger Abend in der Regionalliga Bayern, als Caleb Clarke das erste Mal auflief – oder besser gesagt: kaum auffiel. Ein kanadisches Talent, einst als Hoffnungsträger für die Vancouver Whitecaps gehandelt, tauchte plötzlich in Haching auf. In der Regio Bayern, versteht sich, nicht die große Bühne. Der Verdächtige war in der Saison 13/14 bereits Gast in dieser Liga – beim FCA. In Augsburg jedoch deutete er mit acht Toren in 26 Spielen an, dass er wusste, wie ein Netz aussieht. Doch das war erst der Anfang einer mysteriösen Reise.  

Wie ein gut geplantes Verbrechen nahm alles seinen Lauf: Winter 2015/16, die SpVgg Unterhaching wird zum nächsten Tatort. Clarke, frisch aus Vancouver und angeblich voller Tatendrang, betritt das Spielfeld. Die Fans waren gespannt, schließlich kam da ein Spieler mit MLS-Erfahrung. Doch statt der erhofften Glanztaten ließ Clarke nur eine Frage zurück: „War er wirklich da?“ Sechs Einsätze, keine Tore, zwei Assists – das könnte man glatt übersehen. Wie der Nebel über dem Hachinger Bach verschwand Clarke im Sommer Richtung Amberg.  

In Amberg, wo der Fußball weniger glitzert als die Hoffnung auf ein ordentliches Bier, trat er in neun Partien an und erzielte ein einsames Tor. Man munkelt, es war ein Sonntagsschuss an einem Mittwoch. Danach? Nichts. Keine Schlagzeilen, keine Transfers, keine Interviews. Caleb Clarke war weg – spurlos.  

Könnte es sein, dass er schlichtweg genug hatte vom Fußball? Oder plant er ein Comeback, so unerwartet wie ein Gegentor in der 90. Minute? Vielleicht trainiert er im Verborgenen, irgendwo in Kanada, auf einem vereisten Bolzplatz, um eines Tages wieder aufzutauchen – und diesmal richtig zuzuschlagen.  

Oder aber, und das ist wohl die wahrscheinlichste Theorie: Der Fall Caleb Clarke bleibt ungelöst, eine Anekdote in den Tiefen der Fußballgeschichte, erzählt von jenen, die sich erinnern, wenn sie den Namen zufällig in einer alten Statistik lesen. „Clarke? War das nicht der Typ, der…?“ Ja, genau der.

Wir sehen uns beim nächsten Türchen.

Auf geht‘s Haching!

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Servus mitanand,

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Die Adventszeit ist also einerseits die Zeit der Besinnung um das Vergangene Revue passieren zu lassen und andererseits die des Ankommens (lat. advenire). Im Kontext dieses Blogs schwelgen wir also in der Geschichte der Spielvereinigung und stellen uns die Frage: Wer ist denn eigentlich nie so richtig angekommen in der Vorstadt?

7. Türchen: Jonas Hummels

Die vergangenen Türchen präsentierten hauptsächlich Stürmer, da diese per se einfach an ihren Statistiken messen lassen müssen und somit auch schnell als Flop abgestempelt werden können. Heute geht es jedoch um einen talentierten Verteidiger, der ähnlich wie der Doc, Seppi Welzmüller, körperlich so oft zurückgeworfen wurde, dass er während seiner aktiven Karriere die lange Zeit im Lazarett mit mehr Gehirnjogging als Bergläufen verbracht hat. So ist er heute auch durch seine Karriere nach der Karriere bekannter als zuvor. 

Es ist ein Leben, das man nicht an einer Schablone ausrichten kann: Jonas Hummels, 32 Jahre jung, ein Ex-Fußballer, der mehr Kapitel in seiner Vita hat als ein schwerer Roman. Einst Abwehrchef bei der SpVgg Unterhaching, später ein Mann mit einer Softwarefirma in Atlanta, einem Master in BWL, einem Psychologiestudium und einem Platz im DAZN-Kommentatorenteam. Jonas Hummels, so scheint es, ist überall ein bisschen zuhause – außer auf den eigenen Knien.

Es war der 10. September 2011, ein sonniger Nachmittag, der alles bereithielt: Kampf, Leidenschaft und einen frühen Führungstreffer durch die Herrlich-Elf. Florian Niederlechner sprintete an der Grundlinie entlang, legte auf Avdic zurück, und das 1:0 war besiegelt – ein Bilderbuchstart für Haching. Doch kaum hatte ich damals verschwitzt im Gästeblock auf der Gegengeraden Grund zum Jubeln, zog sich der Schleier des Dramas über das Spiel: Kapitän Jonas Hummels ging nach einem Zweikampf mit Offenbachs Hesse zu Boden. Kein Foul, kein böses Spiel – aber ein Knie, das nicht mehr mitmachen wollte. Nach nur zwölf Minuten musste Hummels raus. Während Winkler aufs Feld kam, begann für Hummels eine Odyssee, die mehr mit Ärzten als mit Kopfballduellen zu tun hatte. Die Diagnose? Kreuzbandriss. Die Saison war für ihn gelaufen, bevor sie richtig begonnen hatte.

Hummels wurde dennoch ein Fixpunkt im Unterhachinger Kader. Zumindest, wenn er spielte. Was selten genug vorkam. „Ich habe in zwei Saisons nur dreieinhalb Spiele gemacht“, resümiert er trocken. Statt Trainingseinheiten mit der Mannschaft wurden es Sitzungen in Reha-Kliniken, statt Jubelläufen um den Platz wurden es Schmerzen und Ibus. Immer wieder Ibuprofen.

Sein bitterer Abschied aus dem aktiven Fußball kam 2015. Pokal-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen, das Datum hat sich in sein Gedächtnis eingebrannt: 15. Dezember. Hummels saß auf der Bank, das Knie schmerzte, die letzte Operation lag nur wenige Monate zurück. Der Trainer ließ ihn nicht spielen. Jonas Hummels, einst Hoffnungsträger der SpVgg, stand zwar noch im Kader – aber auch das war ein Abschied auf Raten. Nach sieben Knie-Operationen in vier Jahren voller Schmerzen zog er 2016 den Schlussstrich. „Ich wusste, ich kann den Kampf nicht gewinnen“, sagt er heute. Kein Groll, keine Klage – nur ein nüchternes Fazit.

Was macht man nach so einem Ende? Abstand. Und das nahm Hummels, mit allem, was dazugehört. Er studierte Psychologie, vertiefte sich in Arbeits- und Organisationspsychologie und hängte noch einen Master in BWL hintendran. Weil man ja nie weiß, wo die Reise hingeht.

Hummels gründete 2017 eine Softwarefirma in Atlanta. Die Story dahinter? Ein bisschen wie er selbst: unkonventionell. Während seiner Hachinger Zeit knüpfte er Kontakte zu Atlanta United, ein Wechsel platzte wegen seiner Verletzungen. Doch der Kontakt zu einem Deutsch-Amerikaner, der Anteile am Klub hielt, blieb. Gemeinsam gründeten sie eine Firma, die heute 35 Mitarbeiter hat. Hummels, der Nicht-Techie, ist dort für Marketing, Vertrieb und Sponsorensuche zuständig. „Ich lerne jeden Tag“, sagt er. Das klingt wie Hummels: neugierig, offen, bereit für das nächste Abenteuer.

Natürlich ist der Fußball geblieben, auch wenn er jetzt eher vor der Kamera stattfindet. Als Co-Kommentator bei DAZN begeistert Hummels mit seiner Expertise. Er spricht, wie er spielt – klug, überlegt, aber auch mit einem Hang zur präzisen Pointe. Man merkt: Der Mann hat seine Nische gefunden.

Jonas Hummels wird wohl nie auf 300 Bundesliga-Spiele zurückblicken können. Aber er hat etwas, das viele andere nicht haben: eine Geschichte, die sich nicht in Zahlen zusammenfassen lässt. Ein Talent, das nie ganz aufgehen konnte – und doch so viele Facetten in seinem Leben gefunden hat. Er ist Unternehmer, Psychologe, Kommentator und immer noch der Mann, der mit 21 Jahren Kapitän einer Profimannschaft war. Und der jetzt sagt: „Mir geht es super.“ Ein Satz, der mehr wert ist als jede Statistik.

Wir sehen uns beim nächsten Türchen.

Auf geht‘s Haching!

MoneySchwabl Adventskalender

Servus mitanand,

das Jahr neigt sich dem Ende zu und schon ist die Adventszeit da, jene magische Periode, in der Menschen panischer Einkäufe tätigen als Bundesliga Manager am Deadline-Day und Jörg aus der Buchhaltung nach dem sechsten Glühwein seine deutsche Hüfte schwingt. Adventskalender öffnen dabei eine eigene Dimension des Zaubers: Türchen um Türchen kämpft man sich durch, in der Hoffnung, dass sich hinter einem Türchen des Bayernlos-Adventskalenders die sehnsüchtig erwartete Frührente verbirgt. Doch ob Schoki, Beauty-Produkte oder Mini-Spirituosen – der Kalender ist längst zum ultimativen Spiegel unserer Konsumgesellschaft geworden. Besinnlichkeit in 24 Häppchen, bei denen sich die wahre Frage stellt: Was machen wir eigentlich an den restlichen 341 Tagen?

Die Adventszeit ist also einerseits die Zeit der Besinnung um das Vergangene Revue passieren zu lassen und andererseits die des Ankommens (lat. advenire). Im Kontext dieses Blogs schwelgen wir also in der Geschichte der Spielvereinigung und stellen uns die Frage: Wer ist denn eigentlich nie so richtig angekommen in der Vorstadt?

6. Türchen: Manuel Fischer

Heute hat uns der Nikolaus ein weiteres Wunderkind in die Stiefel gesteckt, das den großen Durchbruch im 11 gegen 11 nicht gepackt hat:

Manuel Fischer – einst das strahlende Versprechen des deutschen Fußballs. Als 17-Jähriger debütierte er für den VfB Stuttgart in der Bundesliga, krönte sich in der A-Junioren-Bundesliga zum Torschützenkönig und schoss die deutsche U17 mit einem goldenen Treffer zum Europameistertitel. Was für ein Start! Doch wie so oft im Fußball erwies sich der Weg zum Erfolg als verschlungener Pfad. Der vielversprechende Stürmer, der einst Tore wie am Fließband erzielte, wurde zum Wanderer zwischen den Welten des Profifußballs.

2012 wagte Fischer den Schritt zu Unterhaching in die 3. Liga, ein Neustart, der große Hoffnungen weckte. Doch statt durchzustarten, schien er eher zu stolpern. Drei Tore in zwölf Spielen – nicht gerade die Quote, die man von einem Stürmer seiner Klasse erwartete. Ein kleiner Lichtblick: In der zweiten Mannschaft bewies er mit zehn Treffern in neun Spielen, dass er das Toreschießen nicht völlig verlernt hatte. Doch der Funke wollte bei den Profis einfach nicht überspringen. Vielleicht lag es an der fehlenden Spielpraxis, vielleicht am Druck, oder vielleicht passte Unterhaching einfach nicht zu Fischers Spielweise. Bereits im Winter war Schluss: Fischer und der Klub trennten sich „einvernehmlich“ – ein Euphemismus, der im Fußball so oft das Scheitern kaschiert. Fischer wechselte zur SG Sonnenhof Großaspach in die Regionalliga, um dort neu anzugreifen.  

Nach Unterhaching folgten zahlreiche Stationen – von den Stuttgarter Kickers und dem FC 08 Homburg über Tebe Berlin. Fischer suchte die Herausforderung und wurde zum klassischen „Weltenbummler“ in den Niederungen des deutschen Fußballs. In den unteren Ligen erzielte er hier und da noch Treffer, doch die glorreiche Zukunft, die ihm einst prophezeit wurde, blieb aus.  

Dafür entdeckte Fischer seine Leidenschaft für den Futsal. In der Futsal-Bundesliga und sogar in der deutschen Nationalmannschaft zeigte er erneut sein Können – allerdings auf kleinerem Spielfeld und mit deutlich weniger Aufmerksamkeit als in seinen Jugendtagen.  2024 kehrte Fischer ins Rampenlicht zurück – wenn auch in ungewohnter Form. In der von Lukas Podolski und Mats Hummels ins Leben gerufenen Baller League, einem modernen Hallenfußballformat, wurde Fischer gedraftet. Der mittlerweile 34-Jährige fand sich plötzlich im Team „Streets United“ wieder – an der Seite von Sascha Bigalke, seinem ehemaligen Weggefährten aus Hachinger Zeiten, der in diesem Format ansonsten nichts zu suchen hat. „Das kommt dem Straßenfußball sehr nahe“, schwärmt Fischer, der für solche Spielformen eine Schwäche hat. Der kleine Platz ohne Bande bot Fischer den perfekten Raum, um seine verbliebenen Qualitäten auszuspielen. „Ich finde das cool, das macht einfach Spaß“, sagt er über das Turnierformat, das Ex-Profis und Amateurspieler zusammenbringt. Dass Fischer mit ehemaligen Weltstars wie Podolski als Teamchef spielte, schien ein kleiner Trost dafür zu sein, dass seine Karriere nicht ganz so glamourös verlief wie erhofft.  

Auch abseits der Baller League bleibt Fischer dem Fußball erhalten. Als Trainer seines Heimatvereins TSV Weilimdorf in der Landesliga Württemberg gibt er sein Wissen an die nächste Generation weiter. Und wenn Not am Mann ist, springt er sogar selbst ein – zuletzt unfreiwillig als Torwart, ein ungewohnter Anblick für den einstigen Topstürmer. „Ich hoffe, dass das nicht mehr vorkommt“, sagt er.  

Manuel Fischers Karriere gleicht einer Achterbahnfahrt: vom gehypten Talent über die Durststrecken inklusive Unterhaching bis hin zum leidenschaftlichen Amateurspieler und Trainer. Er mag die ganz große Bühne verpasst haben, doch seine Liebe zum Fußball ist ungebrochen. Ob im Futsal, in der Baller League oder als Coach – Fischer zeigt, dass Fußball mehr ist als nur Tore und Titel. Es ist eine Leidenschaft, die für immer bleibt.

Wir sehen uns beim nächsten Türchen.

Auf geht‘s Haching!