Servus mitanand,
Die Spielvereinigung Unterhaching glich in den vergangenen Monaten einem taumelnden Boxer – angeschlagen, wankend, oft kurz vor dem Knockout und sehr oft geschlagen. Doch wer dachte, dass die Vorstädter nur noch als Sparringspartner für die Konkurrenz dienen, wurde am vergangenen Sonntag eines Besseren belehrt. Mit einem überraschenden Sieg meldeten sich die Hachinger eindrucksvoll zurück und bewiesen, dass auch ein angeschlagener Kämpfer noch gefährlich austeilen kann.
Die ersten fünf Partien unter dem neuen Coach, Heiko Herrlich, hätten unterschiedlicher nicht sein können, dennoch ist ein gewisser spielerischer „Effekt“ zu erkennen. Um den hier gegebenen Rahmen nicht zu sprengen und gleichzeitig die ersten vier Partien nicht unter den Tisch zu kehren, erhalten nun alle eine Überschrift, die diese Partien in kürzester Form beschreiben (auch wenn das natürlich nicht meinem analytische Naturell entspricht):
BVB II: Standardchaos nach der Jahreswende
Ingolstadt: Heide Moruk
Osnabrück: Wer zu spät kommt, straft den Stiefler
Essen: 30 Chancen und ein Halleluja
Nachtrag zu Osnabrück: Ich finde es echt schade, dass, trotz des verständlichen Frusts ob der sportlichen Situation, der Support nach dem 0:3 eingestellt wurde. 3. Liga egal, wohin der Weg auch führt, denn wir sind immer da, ist wohl nicht immer allzu ernst zu nehmen.
Die Anfangsphase
Trotz warmer Erinnerungen an das Schneegestöber in Giesing, begann das letzte Heimspiel gegen ambitionierte Saarbrücker mehr als besorgniserregend. Fehlende Anspielstationen nach Ballgewinnen, kaum spielberuhigende Ballbesitzmomente und hektische Entscheidungen führten dazu, dass es zu Spielbeginn so aussah, als ob es die Schussminuten sind, in denen die Saarländer auf den Ausgleich drücken. Nach zehn Minuten war es eine Faustabwehr Eiseles, die Popp für einen Umschaltmoment nutzen konnte und gleich zwei Gegenspieler abschüttelte. Sein Dribbling bis zur Mittellinie konnte das Spiel verlagern, wo Waidner auf der rechten Seite das Spiel scheinbar verlangsamte und zu Schwabl ablegte. Unser Kapitän schlug den Ball wahnsinnig leidenschaftlich, oder leidenschaftlich wahnsinnig Richtung Elfmeterpunkt und das Spielgerät flutschte vom Keeper direkt vor die Füße des reaktionsschnellen Ihorst. Eigentlich unverdient zu diesem Zeitpunkt, doch ein absoluter Wirkungstreffer.
Organisierter Angriff
Unterhaching setzte im Ballbesitzspiel stark auf das Zentrum und die Halbräume, wobei Dribblings oft dem Passspiel vorgezogen wurden. Das Aufbauspiel erfolgte meist über lange Bälle, wobei die Mannschaft gezielt auf zweite Bälle spekulierte. Besonders effektiv zeigte sich dieser Ansatz beim zweiten Tor: Littig gewann den Ball im eigenen Strafraum und leitete direkt zu Skarlatidis weiter, der den Rückraum absicherte. Dieser spielte einen präzisen Pass auf den in den Halbraum startenden Torsiello, der sich im Eins-gegen-Eins durchsetzte und perfekt ins lange Eck abschloss. Die Chancenerarbeitung erfolgte somit hauptsächlich über schnelles Umschalten nach Ballgewinnen und gezielte Dribblings.
Umschaltphase nach Ballgewinn
Haching zeichnete sich durch ein unglaublich zielstrebiges Umschaltspiel aus. Nach Ballgewinnen wurde der direkte Weg zum Tor gesucht, oft über schnelle Dribblings in die Halbräume oder das Zentrum. Die Mannschaft war dabei besonders darauf fokussiert, den Gegner in Unordnung zu erwischen, indem sie sofort vertikale Aktionen einleitete. Lange Bälle wurden genutzt, um die gegnerische Abwehr in Bewegung zu bringen, während vorrückende Spieler in den Halbräumen gezielt in Szene gesetzt wurden.
Organisierte Abwehr
Defensiv agierte Unterhaching mit einem gewohnt stabilen Mittelfeldpressing und stark mannorientierter Verteidigung. Nach Ballverlust zog sich die Mannschaft kompakt in die eigene Hälfte zurück und verdichtete das Zentrum, um Saarbrücken in die ungefährlicheren Außenbahnen zu drängen. Das Pressing war äußerst effizient, wodurch viele Angriffsversuche der Gäste bereits frühzeitig gestört wurden und die Gäste den Ballbesitz nach der Führung nur selten in den gefährlichen Räumen hatte. Die Zweikampfbilanz zeigt, dass Haching in entscheidenden Duellen stabil agierte und Saarbrücken kaum gefährliche Abschlüsse aus dem Zentrum ermöglichte.
Umschaltphase nach Ballverlust
Nach Ballverlust setzte die Mannschaft auf eine schnelle Rückwärtsbewegung und sicherte das Zentrum konsequent ab. Dabei war das Ziel, den Gegner auf die Außenbahnen zu lenken, wo dann gezielte Zweikämpfe geführt wurden. Das Pressing wurde dabei meist mannorientiert gespielt, sodass der Gegner kaum geordnete Angriffe durch die Mitte aufbauen konnte. Dadurch konnte Saarbrücken zwar viel Ballbesitz generieren, kam aber selten in gefährliche Abschlusspositionen.
Fazit
Diese Spielweise birgt jedoch auch Risiken: Das starke Umschaltspiel und die offensive Zielstrebigkeit funktionieren nur, solange die Mannschaft körperlich frisch und mental fokussiert bleibt. Wird der Druck auf den Ballführenden nicht konstant hochgehalten oder lassen sich Ungenauigkeiten im Pressing einschleichen, können Räume für den Gegner entstehen, die schwer zu verteidigen sind. Diese wollte Saarbrücken in der Anfangsphase durch Unterschnittbälle im Halbraum hinter die Kette zu nutzen. Auch das hohe Maß an Intensität in der Defensive kann über die restliche Saison ohne entlastende Phasen kaum gehalten werden.
Umso wichtiger ist dieser Sieg für die Mannschaft nach der langen Durststrecke. Nicht nur spielerisch, sondern vor allem mental war es ein Befreiungsschlag. Die Effektivität vor dem Tor und die defensive Stabilität haben gezeigt, dass Unterhaching trotz schwieriger Phasen konkurrenzfähig bleibt. Diese Leistung gibt Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben und könnte den Startschuss für eine Trendwende markieren. Nun gilt es, die Stabilität zu wahren und die Balance zwischen risikoreichem Umschaltspiel und defensiver Kompaktheit weiter zu verbessern.
Wie können wir weiter gewinnen?
Ganz ehrlich, der letzte Abschnitt ist jetzt ideel gedacht, doch es gibt in meinen Augen einen offensiven Ansatz, mit dem wir die Liga durchaus nochmal aufmischen könnten.
Das Spiel sollte einfach generell über die rechte Seite kurz aufgebaut werden. Hier könnten unsere erfahrenen Spieler eine Überladung der Spielfeldseite erzeugen. Stiefler, Schwabl, Geis, Skarlatidis, you name it. Diesen Spielern muss bewusst sein, wir halten den Ball bringen diesen durch selbstbewusstes Auftreten und Erfahrung, trotz Mann gegen Mann Pressing, nach vorne. Sobald ein Spieler weiter vorne frei aufdrehen kann, knallen wir den Ball voller Überzeugung (die technischen Voraussetzungen dafür traue ich jedem dieser Spieler zu) auf die ballferne Seite. Dort lauern dann mit Popp und Torsiello zwei Ballschlepper, die im Idealfall viel Rasen vor sich haben… und dann lass diese Jungs kochen. Ebenso Leuthard oder Kügel, können in solchen Momenten dem Gegner ziemlich weh tun. Also einfach gesagt: Ich bin einfach „Team Hoffnung“ und möchte, dass am Samstag nicht die Violetten und am Sonntag nicht die Blauen gewinnen.
Wir lesen uns bald wieder!
Auf geht‘s Haching!