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Servus mitanand, 

dass nach dem 32. Spieltag, trotz 46 Punkten auf dem Konto, von einer sportlichen Krise die Rede sein muss, hätte ich vor der Saison für genauso absurd gehalten, wie einen anderen Bundesligameister als den FC Bayern München. Sportlich gesehen brauen sich dunkle Wolken über dem Sportpark zusammen, nach vier Niederlagen in Folge, von denen in drei auch einen anderer Ausgang denkbar gewesen wäre, kann man sich diesen Wetterumschwung noch durch das launische Aprilwetter erklären und auf einen sonnigen Nachmittag gegen den VfB Lübeck hoffen. Doch neben diesem sportlichen Unwetter sind es die Klauen der „Bestia negra“ aus der Säbener Straße, die in der Vorstadt für Gesprächsstoff sorgen. Die laut mehrerer Medien bevorstehende Kooperation mit dem FC Bayern München scheint also mehr als eine G‘schichte aus‘m Paulanergarten zu sein, was wiederum die Brauerei hinter dem Hachinger Jubliläumsbier erklären könnte.

Kooperationen im Profifußball

Der heutige Profifußball geht schon längst weit über die 90 Minuten auf dem Platz hinaus und die Vereinsstrukturen sind global handelnden Unternehmen näher als einem eingetragenen Sportverein. Dies liegt natürlich hauptsächlich an den finanziellen Potenzialen dieses Goldesels. Nicht zum Spaß sind mittlerweile drei Abonnements nötig, um alle Wettbewerbe eines Bundesligisten live verfolgen zu können. Alle wollen ihr Stück vom Kuchen haben und die Spirale scheint sich immer schneller zu drehen: immer schnellere, größere und stärkere Spieler, die an möglichst vielen Wochentagen ihre Gesundheit hinten anstellen, das alles in künstlich aufgebauschten Spektakeln mit möglichst vielen Werbeflächen und -partnern, mit dem Ziel immer höhere Summen für alle Beteiligten zu erwirtschaften. Alle Beteiligten? Nicht wirklich, denn die Verlierer des Fußballzirkus sind neben den Fans (Konsumenten) häufig die kleinen Vereine, die schon früh ihre besten Spieler verlieren, finanziell schon längst den Anschluss verloren haben und auf die Gnade der höchsten Fußballliga und derer Verantwortlichen hoffen müssen. Hier gilt unser Präsi Manni in der öffentlichen Wahrnehmung als der letzte Mohikaner, der wahnsinnig leidenschaftlich beziehungsweise leidenschaftlich wahnsinnig gebetsmühlenartig immer wieder betont, dass eine regionale, zielgerichtete Nachwuchsförderung die oberste Priorität der Entscheider im deutschen Fußball sein muss, um einheimischen Talenten eine bestmögliche Karriere zu ermöglichen, sodass der deutsche Fußball, entgegengesetzt der aktuellen Entwicklungen, nachhaltig bis in die unteren Ligen gesund bleiben kann. Um eben den kleineren Vereinen und deren talentierten Fußballern die bestmögliche Infrastruktur zu bieten, müsste die Finanzierung dann jedoch das obere Ende der Nahrungskette übernehmen. So ist es weiterhin die Realität, dass die Drittligisten lieber gestandene Profis in die Fußballrente begleiten, da die Erfahrung auf dem Platz für viele Clubs erfolgsversprechender ist, als Talenten eine Bühne zu geben, welche sich dann nach einem Jahr für Höheres berufen fühlen. 

Man kann sich jedoch sicher sein, dass irgendwann ein Grenze erreicht sein wird, dass irgendwann das Maximum herausgepresst wurde, dass irgendwann eine Stagnation zu erkennen ist. Das liegt zum einen daran, dass die Konsumenten (Fans), selbst wenn alle Märkte erobert wurden, auch nur begrenzt Zeit haben, Spiele zu schauen und nur begrenzt Geld zur Verfügung haben, um es König Fußball zu geben. Zum anderen können sich selbst Vereine wie der Chelsea London FC nicht alle talentierten Spieler dieser Welt kaufen (auch wenn sie es versuchen), sodass es aufgrund der schieren Menge an guten Fußballern immer welche geben wird, die bei anderen als den Big Playern spielen werden. Doch bis dieses Cap erreicht wird, nutzen eben diese Riesen alle Möglichkeiten, um sich den entscheidenden Marktvorteil zu verschaffen. Ob der letztjährige Triple-Sieger Man City mit zugehöriger City Group, RB Leipzig mit allen „Schwestern“ oder eben die Joint Venture des FC Bayern, alle haben die Gemeinsamkeit, an der Spitze eines Konglomerats mehrerer Fußballclubs zu stehen. 

Dies bietet den großen Clubs viele Vorteile: talentierte Spieler aus der ganzen Welt können beliebig bei einem Klub der Gruppe unter Vertrag genommen  werden, natürlich mit dem Traum verbunden es bis zur Spitze des Vereinsnetzwerks zu schaffen. Hier ist der Gedanke später keine Unsummen für „fertige“ Top-Spieler zu bezahlen, sondern diese im eigenen „Stall“ zu „züchten“. Das Vokabular erinnert deshalb nicht nur zufällig an Nutztiere. Dass dieses Modell jedoch äußerst erfolgreich ist, ist neben dem rasanten Aufstiegs von RB Leipzig derzeit gut am spanischen Erstligisten Girona mit dem Mutterverein aus Manchester zu erkennen. Und hier möchte der große FCB natürlich den Anschluss nicht verlieren und hat sich in den letzten Jahren ein beachtliches Netzwerk aufgebaut. Die internationalen Partnerschaften mit dem Los Angeles FC, dem Racing Club de Montevideo aus Uruguay, den Grasshoppers Zürich und dem abgestürzten Wacker Innsbruck bilden derzeit den Kern von „Red&Gold Football“ dem Joint Venture des FC Bayern. Multi-Club-Ownership ist also nun eine marktverändernde Komponente im Profifußball und Bayern hat sich mit Freund nun einen absoluten Experten aus dem Hause RB nach München geholt, um den Verein in Zukunft anschlussfähig gegenüber der Konkurrenz zu machen. In der dritten Liga besteht bereits eine Kooperation zwischen dem FC Bayern Campus und dem Nachwuchs des SSV Ulm. Am Ende steht also die Frage, welche Rolle wird die Spielvereinigung in dieser konstruierten Zusammenarbeit spielen?

Wieso Haching?

Die Historie von Haching ist spätestens seit dem 20.05.2000 vom großen Nachbarn untrennbar. Die Zukunft könnte jetzt gar einen Schulterschluss bedeuten. Der Standort in Unterhaching ist für das Vereinsnetzwerk des FC Bayern aus mehreren Gründen äußerst interessant.

Wie die Süddeutsche Zeitung schrieb, scheint der deutsche Rekordmeister nun der Investor für den Kauf des Stadions und der umliegenden Plätze zu sein. Ob und wie es zu einer Einigung kommt, bleibt abzuwarten, da die Gemeinde dann vor der Herausforderung stünde den Breitensport Mannschaften andere Plätze zur Verfügung zu stellen. Da die meist klamme Vorstadtkasse aus eigenen Kräften diesen Akt wohl nicht stemmen kann, ist dies die Möglichkeit ein Angebot zu machen, dass man(ni) nicht ablehnen kann. 

Ein möglicher Grund der Kooperation wäre einen erneuten „Fall Adeyemi“, welchen Freund aus Salzburg kennt, zu vermeiden. Das Ausnahmetalent wurde bekanntlich beim FC Bayern aussortiert und konnte durch eine engere Begleitung in Unterhaching ohne Druck reifen, um über Salzburg und Dortmund zum Nationalspieler durchzustarten. So wäre denkbar, dass daraus ein Modell wird. Veranlagte Jugendspieler, die aus charakterlichen oder körperlichen Gründen, im Bayern Nachwuchs aussortiert würden, kommen nach Unterhaching, wo deren Fortschritte ohne Umzug unter Argusaugen aus Harlaching verfolgt werden können. Hinzu kommt laut Sky eine Leihvereinbarung, sodass U23 Spieler der Roten Spielpraxis im Vorgarten erhalten. Hier wäre mittelfristig ein Aufstieg in die 2. Bundesliga wohl das Ziel, um ein entsprechendes Wettkampfniveau für Top-Talente zu bieten und darüber hinaus auch die Nicht-EU Spieler des Netzwerks im deutschen Fußball ankommen zu lassen. Im Extremfall also ein Liefering Zweipunktnull.

Und was hat Haching davon? Kurzgesagt: Geld. Und das Fass, wie es um unsere Finanzen steht, möchte ich an dieser Stelle gar nicht aufmachen, sondern auf das allgemeine Problem hinweisen, wie schwierig es ohne Investor oder großer Fanbase ist, in der dritten Liga Schulden abzubauen, Eigenkapital zu erwirtschaften, kurzum den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Und eine Kooperation würde durch die Leihe nicht nur Personalkosten, durch die Gehaltsübernahme der Bayern, erheblich zu senken, sondern zusätzlich durch die, im Raum stehende, Ausbildungsentschädigung noch, nun ja entschädigt zu werden. Darüber hinaus profitiert der Verein dann auch langfristig durch die Spielerqualität, die durch Leihen und/oder feste Wechsel den Weg an den Sportpark finden, sowie beim Tauziehen um Talente für das NLZ, denn ein Jugendspieler entscheidet sich wahrscheinlich noch eher für Haching, wenn die Möglichkeit besteht den Sprung zum Branchenkrösus zu schaffen. Natürlich ist die Kooperation auch eine Chance auf das Netzwerk und die Infrastruktur der Bayern zurückgreifen zu können, sodass von Trainerlehrgängen, über Informationsaustausch wie Datenanalysetools bis hin zum Zugang des Sponsorenpools von Bayern alles denkbar wäre. Zu guter Letzt könnten Fans durch die stets ausverkaufte Allianz Arena auch nach Haching gelockt werden. Manch einer erinnert sich vielleicht noch an eine Kino-Werbung, in welcher die Münchner Familie statt nach Fröttmaning in den Sportpark fuhr. 

Insgesamt sollte das Credo dennoch lauten: abwarten und Weißbier trinken, denn hätte, wenn und wäre, Fußball ist kein Sport der Konjunktive. 

Wie geht‘s weiter

Wie bereits angedeutet ist, je nach Tiefe der Zusammenarbeit von einer Kooperation der NLZs bis hin zum Farmteam, alles möglich, da schlichtweg zu wenig Informationen bekannt sind. Meine persönliche Meinung ist sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite pocht in mir das Herz eines Fußballromantikers, der weiß, dass ein Verein auch immer seine Seele bei einem solchen Deal verkauft, sich abhängig von Gönnern macht und die Identifikation für Fans, durch ständige Fluktuation im Kader, erschwert. So habe ich seit Tagen den Ohrwurm des alten Kurvenklassikers:“ Unterhaching braucht keine Freunde, Unterhaching ist gern allein, Unterhaching wir hassen 60 und auch Bayern den Scheißverein!“ 

Auf der anderen Seite habe ich für Verein selbst im Football Manager schon oft einen Mutterverein genutzt, um mir einen Aufstieg mit Top-Talenten zu ermöglichen. Und es ist wichtig sich einzugestehen, dass es ohne externe Zuwendungen unglaublich schwierig wird, den Spielbetrieb auf Profiniveau aufrechtzuerhalten. Und wenn ich in den Spiegel blicke, merke ich, dass ich einen Abstieg in die Unterklassigkeit sehr bedauern würde und ich es dann wiederum positiv bewerte, dass sich um Lösungen extrem bemüht wird.

Wie es gegen den VfB Lübeck weitergeht, kann ich ehrlich gesagt nicht einschätzen, obwohl ich den Auftritt in Saarbrücken, nach der Klatsche in Mannheim, als positiv wahrgenommen habe und denke, dass sich die Mannschaft auf ihre Stärken besonnen hat. Sich also auf eine stabile Defensive, insbesondere das Wegverteidigen, konzentriert, in Ballbesitz über rechts aus dem Halbfeld flankt und links Keller aktiv die eins gegen eins Situationen sucht und die langen Bälle auf Fetsch bereiten nach wie vor jeder Mannschaft Kopfschmerzen.

An alle die es bis hierhin geschafft haben: ein Riesen-Dankeschön! Ich weiß die tollen und kritischen Rezensionen wirklich zu schätzen und verstehe, dass viele gerne noch öfter etwas lesen möchten. Dieser Blog und die Instagram-Seite sind wirklich ein Herzensprojekt von mir und nach einem überschwänglichen Start hat mich die Realität der Erwerbsarbeit und begrenzter zeitlicher Ressourcen eingeholt, sodass ich manchmal nicht mehr wusste, wie und wann ich weiterschreiben soll. Ich habe auf alle Fälle noch viele Ideen und bin in der Planung, wie ich das nun in Zukunft umsetzen werde. Ich halte euch auf dem laufenden und ihr bitte die Ohren steif!

Wir lesen uns bald wieder!

Auf geht‘s Haching!